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Das Gespräch

Von

Steffen. O Bruder welch Entzücken,
Schafft mir mein guter Wein!
Bey eines Mädgens Blicken,
Da soll man froher seyn?
Freund glaub, ein jeder Tropfe Wein,
Stürzt neue Lust in mich hinein.
Kunz. O Bruder welch Entzücken,
Schaft mir mein muntres Weib!
Das Feuer in den Blicken,
Ihr schöngebauter Leib!
Bey dieser Lust, bey diesen Freuden,
Freund glaub, muß mich ein Fürst beneiden.
Steffen. Ein schäumend Glas aufs andre leeren,
Und stets dabey den Kuß entbehren! – –
Ich glaub die Freude würd sich mehren,
Wann diese Ding beysamen wären.
Kunz. Doch ja! Bey meinen Küssen,
Hab ich nicht einen Tropfen Wein,
Bald glaubt’ ich, würd ich den nicht missen,
Ich würde noch entzückter seyn.
Steffen. Freund wie! mir fällt ein Mittel ein,
Wir können unser Glück vermehren.
Du hast ein Weib, ich habe Wein,
Und die, die haben wir gemein,
Nicht wahr? diß läßt sich hören.

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Gedicht: Das Gespräch von Salomon Gessner

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Gespräch“ von Salomon Gessner ist ein humorvolles und pointiertes Zwiegespräch zweier Freunde, Steffen und Kunz, das die unterschiedlichen Freuden des Lebens – Wein und Liebe – vergleicht und letztendlich eine Lösung für die Maximierung des Vergnügens anbietet. Es zeichnet sich durch seine einfache Sprache und den lebendigen Dialog aus, der die unterschiedlichen Perspektiven der beiden Männer deutlich macht.

Steffen, der Weinliebhaber, preist die berauschende Wirkung des Weins und stellt die Freuden des Weins über die Freuden, die ein Mädchen hervorbringen soll. Kunz, der Liebhaber seiner Frau, hingegen, schwärmt von der Leidenschaft und dem körperlichen Vergnügen, das er durch sie erfährt. Beide scheinen ihre eigenen Freuden als die besseren anzusehen, wobei Steffen das Fehlen des Kusses und Kunz den Mangel an Wein in ihrem jeweiligen Glück beklagt. Die Dialogform ermöglicht es Gessner, die unterschiedlichen Geschmäcker und Bedürfnisse der beiden Charaktere kontrastreich darzustellen.

Die Pointe des Gedichts liegt in Steffens Schlussfolgerung: Die wahre Steigerung des Vergnügens ergibt sich aus der Kombination beider Freuden – Wein und Liebe. Steffen schlägt vor, dass sie ihr Glück teilen, indem sie Kunz‘ Frau und Steffens Wein kombinieren, um die Freuden zu maximieren. Diese Idee, die scheinbar naheliegend ist, zeigt eine humorvolle und pragmatische Herangehensweise an die Frage, wie man das Leben genießen kann. Sie spiegelt die menschliche Sehnsucht wider, das Beste aus beiden Welten zu kombinieren, und die Fähigkeit, über die Grenzen des Eigenen hinauszublicken.

Gessners Gedicht ist ein Beispiel für eine einfache, aber effektive Darstellung menschlicher Bedürfnisse und Wünsche. Die klaren Reime und die lockere Sprache machen das Gedicht leicht zugänglich und unterhaltsam. Es ist eine leichte Satire auf die menschliche Natur, die sowohl die Individualität als auch die gemeinsame Suche nach Glück und Vergnügen hervorhebt. Der Schluss des Gedichts, der die Kombination von Wein und Liebe anregt, ist ein spielerischer Appell an die Harmonie und die Freude am Leben.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.