Das Gespräch
1730Steffen. O Bruder welch Entzücken, Schafft mir mein guter Wein! Bey eines Mädgens Blicken, Da soll man froher seyn? Freund glaub, ein jeder Tropfe Wein, Stürzt neue Lust in mich hinein. Kunz. O Bruder welch Entzücken, Schaft mir mein muntres Weib! Das Feuer in den Blicken, Ihr schöngebauter Leib! Bey dieser Lust, bey diesen Freuden, Freund glaub, muß mich ein Fürst beneiden. Steffen. Ein schäumend Glas aufs andre leeren, Und stets dabey den Kuß entbehren! - - Ich glaub die Freude würd sich mehren, Wann diese Ding beysamen wären. Kunz. Doch ja! Bey meinen Küssen, Hab ich nicht einen Tropfen Wein, Bald glaubt’ ich, würd ich den nicht missen, Ich würde noch entzückter seyn. Steffen. Freund wie! mir fällt ein Mittel ein, Wir können unser Glück vermehren. Du hast ein Weib, ich habe Wein, Und die, die haben wir gemein, Nicht wahr? diß läßt sich hören.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Gespräch" von Salomon Gessner handelt von einem Gespräch zwischen zwei Brüdern namens Steffen und Kunz. Beide äußern ihre unterschiedlichen Freuden und Vorlieben. Steffen betont die Freude, die ihm der gute Wein bereitet, während Kunz die Freude an seiner lebhaften Ehefrau und ihrem schönen Körper beschreibt. Steffen schlägt vor, dass die Freude noch größer wäre, wenn Wein und die Anwesenheit einer Frau zusammenkommen würden. Kunz stimmt zu und fügt hinzu, dass er ohne den Wein bei seinen Küssen noch entzückter wäre. Steffen schlägt dann vor, dass sie ihr Glück vermehren könnten, indem sie Kunz' Frau und seinen Wein gemeinsam genießen. Das Gedicht endet mit einer suggestiven Frage von Steffen, die auf eine mögliche sexuelle Begegnung zwischen den beiden Brüdern und Kunz' Frau hindeutet. Das Gedicht zeigt die unterschiedlichen Vorlieben und Wünsche der beiden Brüder und wie sie versuchen, ihre Freuden zu maximieren. Es thematisiert auch die Idee der sexuellen Freiheit und des gemeinsamen Genusses. Die Sprache ist lebhaft und humorvoll, und das Gedicht hat einen leicht frivolischen Ton.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Steffen. O Bruder welch Entzücken, Schafft mir mein guter Wein! Bey eines Mädgens Blicken, Da soll man froher seyn?
- Hyperbel
- Freund glaub, muß mich ein Fürst beneiden.
- Ironie
- Nicht wahr? diß läßt sich hören.
- Kontrast
- Steffen. O Bruder welch Entzücken, Schafft mir mein guter Wein! Bey eines Mädgens Blicken, Da soll man froher seyn?
- Parallelismus
- Doch ja! Bey meinen Küssen, Hab ich nicht einen Tropfen Wein, Bald glaubt’ ich, würd ich den nicht missen, Ich würde noch entzückter seyn.
- Personifikation
- Stürzt neue Lust in mich hinein.
- Rhetorische Frage
- Bey eines Mädgens Blicken, Da soll man froher seyn?