Das Gespenst
1927Gewöhnlich kommt es, wenn die Lichter brennen. Es poltert mit den Tellern und den Tassen. Auf roten Schuhen schlurrt es in den nassen Geschwenkten Nächten und man hört sein Flennen.
Von Zeit zu Zeit scheint es umherzurennen Mit Trumpf, Atout und ausgespielten Assen. Auf Seil und Räder scheint es aufzupassen Und ist an seinem Lärmen zu erkennen.
Es ist beschäftigt in der Gängelschwemme Und hochweis weht dann seine erzene Haube, Auf seinen Fingern zittern Hahnenkämme,
Mit schrillen Glocken kugelt es im Staube. Dann reißen plötzlich alle wehen Dämme Und aus der Kuckucksuhr tritt eine Taube.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Gespenst" von Hugo Ball beschreibt ein geheimnisvolles und rastloses Wesen, das in einer nächtlichen, chaotischen Atmosphäre sein Unwesen treibt. Das Gespenst tritt meist dann auf, wenn die Lichter brennen, und verursacht ein Durcheinander, indem es mit Geschirr poltert und in den nassen Nächten mit roten Schuhen schlurft. Sein Flennen ist hörbar, und es scheint in einem ständigen Zustand der Bewegung zu sein, als ob es ein Spiel mit Trumpf, Atout und Assen spielt. Die Beschreibung vermittelt den Eindruck eines Wesens, das sich durch Geräusche und Bewegungen bemerkbar macht und dabei eine Art von mechanischer Präzision an den Tag legt, als ob es auf Seile und Räder achtet. Das Gedicht setzt sich fort mit der Darstellung des Gespenstes in der "Gängelschwemme", einem Ort, der auf einen Bereich der Bewegung oder des Spiels hindeutet. Hier wird das Gespenst als hochweis beschrieben, mit einer erzene Haube, was auf eine Art von königlicher oder maskierter Erscheinung schließen lässt. Die zitternden Hahnenkämme an seinen Fingern und die schrillen Glocken, die es im Staub rollen lässt, verstärken das Bild eines chaotischen und fast theatralischen Wesens. Die Geräusche und Bewegungen erzeugen eine surreale Atmosphäre, in der das Gespenst als eine Art Verkörperung des Wahnsinns oder der Unberechenbarkeit erscheint. Im letzten Teil des Gedichts erreicht die Szene einen Höhepunkt, als plötzlich alle "wehen Dämme reißen" und aus einer Kuckucksuhr eine Taube tritt. Diese plötzliche Veränderung symbolisiert einen Bruch oder eine Offenbarung, bei der das chaotische Treiben des Gespenstes in einem Moment der Klarheit oder des Friedens endet. Die Taube, ein traditionelles Symbol für Frieden und Reinheit, kontrastiert stark mit dem vorherigen Durcheinander und deutet auf eine mögliche Auflösung oder Erlösung hin. Das Gedicht lässt den Leser mit einem Gefühl des Ungewissen zurück, da die wahre Natur des Gespenstes und seine Bedeutung offen bleiben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Auf roten Schuhen schlurrt es in den nassen
- Bildsprache
- Hochweis weht dann seine erzene Haube
- Metapher
- Und aus der Kuckucksuhr tritt eine Taube
- Personifikation
- Mit schrillen Glocken kugelt es im Staube