Das Gespenst

Charles-Pierre Baudelaire

1821

Bösen Engeln will ich gleichen, Fahlen Blicks mich zu dir schleichen, Gleiten an dein Lager sacht, Wie ein Schattenspuk der Nacht.

Schenken dir zu tausend Malen Küsse kalt wie Mondesstrahlen, Wie die Schlange schlüpfrig feucht, Die um Gruft und Steine kreucht.

Kommt der bleiche Tag daher, Ist die Stelle kalt und leer Bis die Abendnebel brauen. –

Wenn es Andrer Kunst gelingt, Dass dich Zärtlichkeit bezwingt, Will ich Herr sein durch das Grauen.

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Illustration zu Das Gespenst

Interpretation

Das Gedicht "Das Gespenst" von Charles-Pierre Baudelaire beschreibt die obsessive und zerstörerische Liebe des lyrischen Ichs zu einer Frau. Das Ich vergleicht sich mit einem bösen Geist, der sich in der Nacht an das Bett der Geliebten schleicht, um ihr tausend kalte Küsse zu schenken. Die Kälte und Feuchtigkeit der Küsse symbolisieren die Leere und das Unheimliche der Liebe, die keine Wärme oder Zärtlichkeit kennt. Das Ich will die Frau durch Angst und Schrecken beherrschen, anstatt sie durch Zärtlichkeit zu gewinnen. Die Sprache des Gedichts ist voller düsterer und mystischer Bilder, die die Atmosphäre des Grauens und der Verzweiflung verstärken. Das Ich spricht von Engeln, Schatten, Monden, Schlangen, Gräbern und Nebeln, die alle eine negative Konnotation haben. Das Gedicht ist in vier Strophen mit jeweils vier Versen gegliedert, die einen regelmäßigen Rhythmus und Reim haben. Die Form des Gedichts kontrastiert mit dem Inhalt und erzeugt eine Spannung zwischen Schönheit und Hässlichkeit, Ordnung und Chaos, Leben und Tod. Das Gedicht ist ein Beispiel für den Symbolismus, eine literarische Bewegung, die im späten 19. Jahrhundert entstand und die sich mit den verborgenen Bedeutungen und Assoziationen der Sprache und der Dinge beschäftigte. Baudelaire war einer der Vorläufer des Symbolismus und beeinflusste viele spätere Dichter wie Arthur Rimbaud, Stéphane Mallarmé oder Paul Verlaine. Das Gedicht "Das Gespenst" zeigt auch die Themen, die Baudelaire in seinen Werken oft behandelte, wie die Dekadenz, die Sünde, die Erotik und den Tod.

Schlüsselwörter

will kalt bösen engeln gleichen fahlen blicks schleichen

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Stilmittel

Metapher
Herr sein durch das Grauen
Personifikation
die Abendnebel brauen
Vergleich
Wie die Schlange schlüpfrig feucht