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Das Gesellschaftliche

Von

Ihr Freunde, zecht bei freudenvollen Chören!
Auf! stimmt ein freies Scherzlied an.
Trink′ ich so viel, so trink′ ich euch zu ehren,
Und daß ich heller singen kann.

Der Rundtrunk muß der Stimmen Bund beleben,
So schmeckt der Wein uns doppelt schön;
Und ein Gesetz, nur eines will ich geben:
Laßt nicht das Glas zu lange stehn.

Ihr Freunde! zecht, wie unsre Väter zechten:
Sie waren alt und klug genung,
Und manchen Zank, bei dem wir Söhne rechten,
Ertränkten sie im Reihentrunk.

Sie thaten mehr: Saß nur an ihrer Seite
Ein Kind voll holder Freundlichkeit:
So gab dem Wein ein Schmätzchen das Geleite;
So ward ein Glas dem Kuß geweiht.

Wie trostlos war der Zeiten erste Jugend,
Als Thyrsis einer Phyllis sang;
Und zum Geseufz von Leidenschaft und Tugend
Mit ihr nur schwaches Wasser trank!

Die Nüchternheit, die Einfalt blöder Liebe,
Verlängerten der Schäfer Müh′:
Wir trinken Wein, befeuren unsre Triebe
Und küssen muthiger, als sie.

Lockt uns kein Laub in ungewisse Schatten,
So baut man Dach und Zimmer an,
Die manchem Kuß mehr Sicherheit verstatten,
Als Forst und Busch ihm leisten kann.

Der süße Reiz der ewig jungen Freude
Wird stets durch Lieb′ und Wein vermehrt.
Wenn ich den Scherz und den Tockayer meide,
So sagt: Bin ich der Jugend werth?

Wie eisern sind doch ohne dich die Zeiten,
O Jugend, holde Führerin!
Bereite hier den Sitz der Fröhlichkeiten
Und banne Frost und Eigensinn!

Gesellt euch! stillt mit angeerbtem Triebe
Den Durst nach Küssen und nach Wein.
Es eifert schon der Weingott mit der Liebe,
Den besten Rausch uns zu verleihn.

Doch soll man nicht den ersten Schäfern gleichen?
O freilich ja! Folgt ihrer Pflicht:
Des Abends Lust, der Nächte Freundschaftszeichen
Verrieth ein rechter Schäfer nicht.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Das Gesellschaftliche von Friedrich von Hagedorn

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Gesellschaftliche“ von Friedrich von Hagedorn zelebriert die Freude und den Wert des geselligen Beisammenseins, insbesondere in Kombination mit Wein, Gesang und Liebe. Es preist die Gemeinschaft und die Auflockerung, die durch den Genuss von Wein und die gemeinsame Freude an Liedern und Küssen entsteht. Hagedorn stellt die Lebensfreude, die aus diesen Elementen erwächst, als zentrale Tugend dar und grenzt sich dabei von der Nüchternheit und Einfalt der Vergangenheit ab.

In den ersten Strophen wird die Bedeutung des Trinkens und des gemeinsamen Gesangs hervorgehoben. Das Gedicht beginnt mit einem Aufruf an Freunde, beim Trinken fröhliche Lieder anzustimmen und die Gesellschaft zu genießen. Der Wein wird hier als verbindendes Element dargestellt, das die Stimmen vereint und die Stimmung hebt. Durch das gemeinsame Trinken und Singen wird eine Atmosphäre der Ausgelassenheit und des Wohlbefindens geschaffen. Die Zeile „Laßt nicht das Glas zu lange stehn“ deutet auf die unbeschwerte Lebenshaltung hin, die im Mittelpunkt des Gedichts steht.

Hagedorn vergleicht die Lebensweise der Gegenwart mit der Vergangenheit, insbesondere mit der Zeit der Schäfer. Er betont den Unterschied zwischen der Nüchternheit und der Einfalt der Schäfer und dem ausgelassenen Genuss von Wein und Liebe, der in der Gegenwart vorherrscht. Die Schäfer tranken Wasser und seufzten nach unerreichbarer Liebe, während die Gegenwart Wein trinkt, die Triebe befeuert und mutiger küsst. Die Vorstellung vom „Geleite“ des Weins durch einen Kuss unterstreicht die Verbindung von Wein und sinnlicher Freude.

Das Gedicht endet mit einer Betonung der ewigen Jugend und der Notwendigkeit, die Freude zu feiern. Hagedorn beschwört die „Jugend“ als „holde Führerin“ und fordert dazu auf, den „Durst nach Küssen und nach Wein“ zu stillen. Die Verbindung von Weingott und Liebe deutet auf eine Verschmelzung von Sinnlichkeit und Freude hin. Gleichzeitig wird jedoch die Wertschätzung der Freundschaft und der abendlichen Geselligkeit betont, was darauf hindeutet, dass auch die Traditionen der Vergangenheit ihren Wert haben. Das Gedicht schließt mit einer Aufforderung, dem Beispiel der Schäfer zu folgen, in Bezug auf Freundschaft und nächtliches Vergnügen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.