Das Gelübde

Friedrich von Hagedorn

1754

Nichts pflegt der Rachbegier an Thorheit gleich zu sein. Ein Mann, der unverhofft sein feistes Kalb vermißte, Schwur, wenn er seinen Dieb nur zu entdecken wüßte, So wollt′ er einen Bock dem Pan zum Opfer weihn.

Sein Wunsch ward ihm gewährt. Es kam ein Pantherthier, Das gafft′ und bleckt′ ihn an, und droht′ ihn zu verschlingen. Da seufzt′ er: ich will gern mein Opfer zehnfach bringen, Nur treib′, o starker Pan! den nahen Feind von hier.

Betrogne Sterblichen, wer kennt sein wahres Wohl, So oft Gelübd′ und Wunsch den Rath der Allmacht störet? Wenn uns des Himmels Zorn, zu unsrer Straf′, erhöret, So lernt man allererst, warum man bitten soll.

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Illustration zu Das Gelübde

Interpretation

Das Gedicht "Das Gelübde" von Friedrich von Hagedorn handelt von den Gefahren des Schwörens und den unvorhersehbaren Konsequenzen, die damit einhergehen können. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der sein Kalb verliert und schwört, einen Bock dem Gott Pan zu opfern, wenn er den Dieb findet. Als er den Dieb tatsächlich entdeckt, einen Panther, der ihn bedroht, bereut er sein Gelübde und bittet Pan, den Panther zu vertreiben. Das Gedicht endet mit einer moralischen Lektion, die darauf hinweist, dass Menschen oft nicht wissen, was gut für sie ist, und dass es unklug ist, den Willen des Himmels durch Gelübde und Wünsche zu stören. Es lehrt uns, dass wir lernen müssen, warum wir beten sollten, und dass wir uns bewusst sein sollten, dass unsere Wünsche manchmal unerwünschte Konsequenzen haben können.

Schlüsselwörter

pan opfer wunsch pflegt rachbegier thorheit gleich mann

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Pantherthier, Das gafft′ und bleckt′ ihn an
Hyperbel
Nur treib′, o starker Pan! den nahen Feind von hier
Ironie
Da seufzt′ er: ich will gern mein Opfer zehnfach bringen
Metapher
Nichts pflegt der Rachbegier an Thorheit gleich zu sein
Personifikation
Wenn uns des Himmels Zorn, zu unsrer Straf′, erhöret