Das Geisterschloß

Edgar Allan Poe

1922

In der Täler grünstem Tale Hat, von Engeln einst bewohnt, Gleich des Himmels Kathedrale Golddurchstrahlt ein Schloß gethront. Rings auf Erden diesem Schlosse Keines glich; Herrschte dort mit reichem Trosse Der Gedanke - königlich.

Gelber Fahnen Faltenschlagen Floß wie Sonnengold im Wind - Ach, es war in alten Tagen, Die nun längst vergangen sind! - Damals kosten süße Lüfte Lind den Ort, Zogen als beschwingte Düfte Von des Schlosses Wällen fort.

Wandrer in dem Tale schauten Durch der Fenster lichten Glanz Genien, die zum Sang der Lauten Schritten in gemeßnem Tanz Um den Thron, auf dem erhaben, Marmorschön, Würdig solcher Weihegaben, War des Reiches Herr zu sehn.

Perlen- und rubinenglutend War des stolzen Schlosses Tor, Ihm entschwebten flutend, flutend Süße Echos, die im Chor, Weithinklingend, froh besangen - Süße Pflicht! - Ihres Königs hehres Prangen In der Weisheit Himmelslicht.

Doch Dämonen, schwarze Sorgen, Stürzten roh des Königs Thron. - Trauert, Freunde, denn kein Morgen Wird ein Schloß wie dies umlohn! Was da blühte, was da glühte - Herrlichkeit! - Eine welke Märchenblüte Ist′s aus längst begrabner Zeit.

Und durch glutenrote Fenster Werden heute Wandrer sehn Ungeheure Wahngespenster Grauenhaft im Tanz sich drehn; Aus dem Tor in wildem Wellen, Wie ein Meer, Lachend ekle Geister quellen - Weh! sie lächeln niemals mehr!

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Illustration zu Das Geisterschloß

Interpretation

Das Gedicht "Das Geisterschloß" von Edgar Allan Poe beschreibt den Niedergang eines einst prächtigen Schlosses. In der ersten Strophe wird das Schloss als ein Ort beschrieben, der von Engeln bewohnt wurde und wie eine Kathedrale des Himmels strahlte. Es war ein Ort der Weisheit und des königlichen Denkens. Die zweite und dritte Strophe schildern die einstige Pracht des Schlosses. Es war ein Ort voller Schönheit, an dem süße Lüfte wehten und Genien in einem harmonischen Tanz um den Thron des Königs schritten. Die Fenster leuchteten hell und der Eingang war mit Perlen und Rubinen geschmückt. Das Schloss war ein Ort der Weisheit und des himmlischen Lichts. Die vierte und fünfte Strophe zeigen den Verfall des Schlosses. Dämonen und schwarze Sorgen stürzten den Thron des Königs und das Schloss wurde zu einem Ort des Grauens. Die Fenster leuchten heute rot und durch sie können Wanderer ungeheure Wahngespenster sehen, die sich im Tanz drehen. Aus dem Tor quellen lachende, eklige Geister, die nie mehr lächeln werden. Das Schloss ist zu einer welken Märchenblüte aus längst begrabner Zeit geworden.

Schlüsselwörter

süße tale schloß längst schlosses wandrer fenster tanz

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Stilmittel

Alliteration
Süße Echos, die im Chor
Bildsprache
Perlen- und rubinenglutend war des stolzen Schlosses Tor
Enjambement
Trauert, Freunde, denn kein Morgen / Wird ein Schloß wie dies umlohn!
Hyperbel
Keines glich
Kontrast
Doch Dämonen, schwarze Sorgen, / Stürzten roh des Königs Thron
Metapher
Golddurchstrahlt ein Schloß gethront
Personifikation
Gelber Fahnen Faltenschlagen
Symbolik
Golddurchstrahlt ein Schloß
Vergleich
Floß wie Sonnengold im Wind
Wiederholung
Flutend, flutend