Das Geheimnis
1805Sie konnte mir kein Wörtchen sagen, Zu viele Lauscher waren wach, Den Blick nur durft ich schüchtern fragen, Und wohl verstand ich, was er sprach. Leis komm′ ich her in deine Stille, Du schön belaubtes Buchenzelt, Verbirg in deiner grünen Hülle Die Liebenden dem Aug′ der Welt.
Von ferne mit verworrnem Sausen Arbeitet der geschäft′ge Tag, Und durch der Stimmen hohles Brausen Erkenn′ ich schwerer Hämmer Schlag. So sauer ringt die kargen Lose Der Mensch dem harten Himmel ab, Doch Ieicht erworben, aus dem Schoße Der Götter fällt das Glück herab.
Daß ja die Menschen nie es hören, Wie treue Lieb′ uns still beglückt! Sie können nur die Freude stören, Weil Freude nie sie selbst entzückt. Die Welt wird nie das Glück erlauben, Als Beute wird es nur gehascht, Entwenden mußt du′s oder rauben, Eh dich die Mißgunst überrascht.
Leis auf den Zähen kommt′s geschlichen, Die Stille liebt es und die Nacht, Mit schnellen Füßen ist′s entwichen, Wo des Verräters Auge wacht. O schlinge dich, du sanfte Quelle, Ein breiter Strom um uns herum, Und drohend mit empörter Welle Verteidige dies Heiligtum.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Das Geheimnis" von Friedrich von Schiller handelt von der heimlichen Liebe zweier Personen, die sich an einem versteckten Ort treffen, um ihre Gefühle auszutauschen. Die erste Strophe beschreibt die Situation, in der die Liebenden sich nicht offen äußern können, da sie von neugierigen Blicken beobachtet werden. Der zweite Teil thematisiert den Kontrast zwischen der hektischen Welt und dem friedlichen Rückzugsort der Liebenden, wobei die Mühen des Alltags im Gegensatz zum mühelosen Glück stehen, das den Göttern entstammt. Die dritte Strophe verdeutlicht, dass die Gesellschaft das Glück der Liebenden nicht versteht und oft stört, weshalb es nur heimlich genossen werden kann. Der letzte Teil beschreibt die Zerbrechlichkeit dieses Glücks, das schnell verschwindet, wenn es entdeckt wird, und fordert die Natur auf, die Liebenden vor neugierigen Blicken zu schützen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Verteidige dies Heiligtum
- Personifikation
- Arbeitet der geschäft'ge Tag