Das frühere Leben

Charles-Pierre Baudelaire

1821

Ich wohnte lang in weiter Hallen Schweigen, Die abends in der Meeressonne Glut Sich stolz erheben und zur blauen Flut Sich gleich basaltnen Grotten niederneigen.

Das Meer, darauf des Himmels Abbild ruht, Tönt feierlich beim Auf- und Niedersteigen, Und der Akkorde übermächt′ger Reigen Strömt in den Abend voller Gold und Blut.

Dort lebt′ ich lang in dämmerstillem Lächeln, Voll Wollust atmend Glanz und blaue Luft; Die nackten Sklaven, ganz getaucht in Duft,

Sie mussten mir die müde Stirne fächeln, Von einer einzigen Sorge nur beschwert, Das Leid zu finden, das mein Herz verzehrt.

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Interpretation

Das Gedicht "Das frühere Leben" von Charles-Pierre Baudelaire handelt von einer nostalgischen und sinnlichen Erinnerung an ein vergangenes Leben in einer luxuriösen und exotischen Umgebung. Der Sprecher beschreibt eine Welt voller Pracht und Genuss, in der er in großen, stillen Hallen lebte, die sich majestätisch erhoben und zur blauen Flut hinab neigten. Das Meer, das das Abbild des Himmels widerspiegelt, klingt feierlich und die Akkorde eines übermächtigen Reigens strömen in den Abend voller Gold und Blut. In dieser Umgebung lebte der Sprecher lange in einem dämmerstimmigen Lächeln, voller Wollust atmend Glanz und blaue Luft. Nackte Sklaven mussten ihm die müde Stirn fächeln, getaucht in Duft. Doch trotz all des Genusses und der Pracht war der Sprecher von einer einzigen Sorge beschwert: das Leid zu finden, das sein Herz verzehrt. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Dekadenz, Exotik und Sehnsucht. Es beschreibt eine Welt voller sinnlicher Reize, in der der Sprecher sich verloren und unzufrieden fühlt. Die Suche nach dem Leid, das sein Herz verzehrt, deutet auf eine tiefe innere Leere und Unzufriedenheit hin, die durch äußeren Luxus und Genuss nicht zu stillen ist.

Schlüsselwörter

lang wohnte weiter hallen schweigen abends meeressonne glut

Wortwolke

Wortwolke zu Das frühere Leben

Stilmittel

Alliteration
Tönt feierlich beim Auf- und Niedersteigen
Hyperbel
Der Akkorde übermächt′ger Reigen
Kontrast
Eine einzige Sorge nur beschwert
Metapher
Die abends in der Meeressonne Glut
Personifikation
Das Meer, darauf des Himmels Abbild ruht
Symbolik
Glanz und blaue Luft
Vergleich
Sich gleich basaltnen Grotten niederneigen