Das fremde Lächeln

Stefan Zweig

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Mich hält ein leises Lächeln gebannt.  Es hing  Ganz licht und lose am Lippenrand  Einer schönen Frau, die vorüberging. Die fremde Frau war schön und schlank,  Und fühlte ich gleich, es zielte ihr Gang  In mein Leben.  Und dies Lächeln, das ich in Glut und Scham  Von ihren zartblassen Lippen nahm,  Hat mir ein Schicksal gegeben. Wie ist dies alles so wundersam,  Das Lächeln, die Frau und mein sehnender Traum  Versponnen zu törichten Tagen.  Mein Herz verirrt sich in Frage und Gram,  Woher dieses seltsame Lächeln kam,  Und weiß ich doch kaum,  Wieso mir das heimliche Wunder geschehn,  Daß ich, erglutend in Glück und Scham,  Ein Lächeln aus fremdem Leben nahm  Und in das meine getragen. Ich fühle nur: seit   Ich das Lächeln der leisen Lippen getrunken,  Ist die Ahnung einer Unendlichkeit  In mein Leben gesunken.  Meine Nächte leuchten nun still und lau  Wie ein Sternengezelt  In beruhigtem Blau.  Und der zarte Traumglanz, der sie erhellt,  Ist das Lächeln der Frau,  Der viellieben Frau,  Der schönen, an der ich vorüberging,  Der fremden, von der ich ein Schicksal empfing.

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Illustration zu Das fremde Lächeln

Interpretation

Das Gedicht "Das fremde Lächeln" von Stefan Zweig handelt von der tiefen Wirkung eines zufälligen Begegnungsmoments auf das Leben des lyrischen Ichs. Ein flüchtiges Lächeln einer fremden, schönen Frau wird zum Auslöser für eine innere Verwandlung und die Ahnung einer unendlichen Möglichkeit. Das Gedicht beschreibt, wie das lyrische Ich von einem leisen Lächeln einer vorübergehenden Frau gefangen genommen wird. Dieses Lächeln, das es "in Glut und Scham" von den Lippen der Frau nimmt, gibt ihm ein neues Schicksal. Das Ich ist fasziniert von der Schönheit der Frau und ihrem Gang, der scheinbar direkt auf es zielt. Es fragt sich, woher dieses seltsame Lächeln kommt und wie es dazu kam, ein Lächeln aus dem Leben einer anderen Person in sein eigenes zu tragen. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass seit dem Erleben dieses Lächeln eine Ahnung von Unendlichkeit in das Leben des lyrischen Ichs gesunken ist. Die Nächte leuchten nun still und lau wie ein Sternengezelt in beruhigtem Blau. Der zarte Traumglanz, der sie erhellt, ist das Lächeln der Frau. Das lyrische Ich ist tief berührt von diesem kurzen Moment und trägt das Lächeln der fremden Frau in sich, als hätte es ein neues Schicksal empfangen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Ist die Ahnung einer Unendlichkeit In mein Leben gesunken
Metapher
Und der zarte Traumglanz, der sie erhellt, Ist das Lächeln der Frau
Personifikation
Hat mir ein Schicksal gegeben
Rhetorische Frage
Woher dieses seltsame Lächeln kam
Symbolik
Und fühlte ich gleich, es zielte ihr Gang In mein Leben