Das flaue Herz
1827Du ließest mich in Bethörung, Hinschmachten stets auf′s Neue, Nahmst deines Wesens Verehrung Lächelnd hin ohne Scheue, Sahst meiner Seele Verstörung, Und fühltest nimmer Reue. Sprich, Weib, ist es Verschwörung? Sprich, ist es Herzensfläue? O gibt es keine Erhörung Für so viel Liebe und Treue!
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Interpretation
Das Gedicht "Das flaue Herz" von Ludwig Eichrodt beschreibt die tiefe Enttäuschung und den Schmerz eines Liebenden, der von seiner Angebeteten nicht erhört und erwidert wird. Der Sprecher schildert, wie er in einer Art tranceähnlichen Zustand verharrt, stets aufs Neue vor Sehnsucht schmachtet, während die Frau sein Wesen bewundernd aufnimmt, ohne Scheu zu zeigen. Doch obwohl sie seine seelische Verstörung sieht, empfindet sie keine Reue für ihre kalte, gefühllose Art. Die zweite Strophe ist geprägt von verzweifelten Fragen des Sprechers an die Frau. Er fragt, ob es eine Verschwörung sei, dass sie sein Herz so grausam ignoriert, oder ob es einfach nur Herzensfläue, also Gefühllosigkeit und Gleichgültigkeit, sei. Der Sprecher sehnt sich verzweifelt nach Erhörung, nach einer Antwort, einer Geste der Liebe und Treue, für die er so viel gegeben hat. Die rhetorische Frage "O gibt es keine Erhörung" unterstreicht die Hoffnungslosigkeit und das Gefühl des Ausgeliefertseins an die kalte Frau. Das Gedicht vermittelt eindringlich die Qual unerwiderter Liebe und die Verletzlichkeit des menschlichen Herzens. Der Sprecher ist dem Willen der Frau vollkommen ausgeliefert, die seine Gefühle kaltblütig ausnutzt, ohne selbst welche zu empfinden. Die Wiederholung des Wortes "Sprich" in der zweiten Strophe verdeutlicht den verzweifelten Wunsch des Sprechers nach einer Antwort, nach einer Erklärung für das Verhalten der Frau. Doch die rhetorische Frage am Ende lässt vermuten, dass er keine Hoffnung mehr auf eine positive Antwort hat und sich mit der grausamen Realität abfinden muss.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Du ließest mich in Bethörung, Hinschmachten stets auf′s Neue, Nahmst deines Wesens Verehrung
- Metapher
- Herzensfläue
- Parallelismus
- O gibt es keine Erhörung Für so viel Liebe und Treue!
- Personifikation
- Sahst meiner Seele Verstörung
- Rhetorische Frage
- Sprich, Weib, ist es Verschwörung? Sprich, ist es Herzensfläue?