Das Feuerzeichen

Friedrich Nietzsche

1888

Hier, wo zwischen Meeren die Insel wuchs, ein Opferstein jäh hinaufgetürmt, hier zündet sich unter schwarzem Himmel Zarathustra seine Höhenfeuer an, - Feuerzeichen für verschlagne Schiffer, Fragezeichen für solche, die Antwort haben…

Diese Flamme mit weißgrauem Bauche - in kalte Fernen züngelt ihre Gier, nach immer reineren Höhen biegt sie den Hals - eine Schlange gerad aufgerichtet vor Ungeduld: dieses Zeichen stellte ich vor mich hin.

Meine Seele selber ist diese Flamme: unersättlich nach neuen Fernen lodert aufwärts, aufwärts ihre stille Glut. Was floh Zarathustra vor Tier und Menschen? Was entlief er jäh allem festen Lande? Sechs Einsamkeiten kennt er schon -, aber das Meer selbst war nicht genug ihm einsam, die Insel ließ ihn steigen, auf dem Berg wurde er zur Flamme, nach einer siebenten Einsamkeit wirft er suchend jetzt die Angel über sein Haupt.

Verschlagne Schiffer! Trümmer alter Sterne! Ihr Meere der Zukunft! Unausgeforschte Himmel! nach allem Einsamen werfe ich jetzt die Angel: gebt Antwort auf die Ungeduld der Flamme, fangt mir, dem Fischer auf hohen Bergen, meine siebente, letzte Einsamkeit! - -

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Illustration zu Das Feuerzeichen

Interpretation

Das Gedicht "Das Feuerzeichen" von Friedrich Nietzsche erzählt von der Suche nach Erkenntnis und Selbstverwirklichung. Es beschreibt, wie Zarathustra, eine symbolische Figur für den menschlichen Geist, sich auf einer Insel zwischen den Meeren zu einer Flamme entfacht. Diese Flamme ist ein Zeichen für verschlagene Schiffer und eine Frage für diejenigen, die Antworten haben. Zarathustra, getrieben von unersättlicher Neugier und dem Verlangen nach immer reinen Höhen, flieht vor Tier und Menschen und sucht nach einer siebenten Einsamkeit. Er wirft seine Angel nach allem Einsamen, um seine letzte Einsamkeit zu fangen. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass der menschliche Geist ständig nach neuen Erkenntnissen und Erfahrungen strebt. Zarathustra, als Symbol für diesen Geist, ist unersättlich und lodert nach oben, getrieben von einer stillen Glut. Er hat bereits sechs Einsamkeiten erlebt, aber das Meer selbst war ihm nicht einsam genug. Auf der Insel und auf dem Berg wird er zur Flamme, die nach einer siebenten Einsamkeit sucht. Dies symbolisiert die unendliche Suche nach Wissen und Selbsterkenntnis, die den menschlichen Geist antreibt. Die Schlusszeilen des Gedichts richten sich an die "verschlagene Schiffer", die "Meere der Zukunft" und die "unausgeforschten Himmel". Zarathustra wirft seine Angel nach allem Einsamen und fordert eine Antwort auf die Ungeduld der Flamme. Er bittet darum, dass seine siebente, letzte Einsamkeit gefangen wird. Dies symbolisiert die Hoffnung, dass der menschliche Geist durch seine unermüdliche Suche nach Erkenntnis und Selbsterkenntnis letztendlich eine Antwort finden wird, die seine Fragen beantwortet und seine Einsamkeit beendet.

Schlüsselwörter

flamme insel jäh himmel zarathustra verschlagne schiffer antwort

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Stilmittel

Bildsprache
auf dem Berg wurde er zur Flamme
Metapher
Ich bin der Fischer auf hohen Bergen
Personifikation
nach immer reineren Höhen biegt sie den Hals
Symbolik
fangt mir, dem Fischer auf hohen Bergen, meine siebente, letzte Einsamkeit