Das Entscheidende
Wenn ein Gedanke dich durchhellt,
Bei dem du zweifelnd dich mußt fragen,
Ob, ausgesprochen, er der Welt
Verderben oder Heil wird tragen:
Dann lass′ die mögliche Gefahr
Ihm nimmermehr sein Recht bestreiten!
Nur Eines prüfe: Ob er wahr?
Nur dieß, nichts And′res darf dich leiten.
Erträgt er deines Geist′s Gericht,
Frei lass′ sodann sein Banner wehen!
Der Rest ist deines Amtes nicht,
Nicht du hast dafür einzustehen.
Und tauchte er auf seinem Gang
Die Welt in Blut auch und in Flammen:
Wenn schließlich er den Sieg errang,
Wird doch nur Segen ihm entstammen.
Denn sieh! ein Zauber, tief und still,
Ist mit der Wahrheit stets verbunden,
Und, gleich dem Speere des Achill,
Heilt sie auch, die sie schlug, die Wunden.
Nicht sie, die, ewig treu und rein,
Zusammenhält der Welt Gefüge,
Gefährlich ist der Wahn allein,
Verderben bringt allein die Lüge.
Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Das Entscheidende“ von Betty Paoli ist eine Ermutigung zur Wahrhaftigkeit und zur furchtlosen Äußerung eigener Gedanken, ungeachtet möglicher Konsequenzen. Es unterstreicht die Überzeugung, dass die Wahrheit, selbst wenn sie zunächst Schmerz und Zerstörung verursacht, letztendlich heilsam und segensreich wirkt. Der Text ist in fünf Strophen unterteilt, die jeweils eine Facette dieses zentralen Themas beleuchten.
Die ersten beiden Strophen etablieren den Kern der Botschaft: Wenn ein Gedanke erscheint, dessen Auswirkungen zweifelhaft erscheinen, ist die einzige entscheidende Frage, ob er wahr ist. Die Autorin fordert dazu auf, die mögliche Gefahr nicht zu überbewerten oder von ihr abgelenkt zu werden. Die Betonung liegt auf der Integrität und der Überprüfung des eigenen Denkens. Dies deutet auf eine tiefe Überzeugung von der Kraft der Wahrheit und deren übergeordneter Bedeutung im menschlichen Handeln hin. Die Formulierung „Dann lass′ die mögliche Gefahr/Ihm nimmermehr sein Recht bestreiten!“ unterstreicht die Notwendigkeit, mutig zu sein und sich nicht von Ängsten leiten zu lassen.
Die dritte und vierte Strophe erweitern diese Idee. Sie betonen, dass das Ergebnis des Aussprechens der Wahrheit, selbst wenn es zu Chaos und Zerstörung führt, nicht die Verantwortung des Einzelnen ist. Im Gegenteil: Wenn die Wahrheit sich durchsetzt, resultiert daraus letztendlich Segen. Dies spiegelt eine tiefgreifende Vertrauen in die inhärente Kraft der Wahrheit wider, die in der Lage ist, negative Auswirkungen zu überwinden und langfristig positive Ergebnisse zu erzielen. Die Bildsprache der vierten Strophe ist besonders eindrucksvoll: Selbst wenn die Wahrheit „die Welt in Blut auch und in Flammen“ taucht, wird am Ende der Sieg und der Segen stehen.
Die letzte Strophe kulminiert in einem kraftvollen Appell an die Bedeutung der Wahrheit. Sie wird als Zauber beschrieben, der tief und still mit ihr verbunden ist. Die Wahrheit wird mit dem Speer des Achill verglichen, der die Wunden heilt, die er schlägt. Dies unterstreicht die paradoxe Natur der Wahrheit, die zunächst Schmerz verursachen, aber letztlich Heilung bringen kann. Der Gegensatz zum Wahn und zur Lüge, die das einzige Gefährliche sind, verstärkt die zentrale Botschaft des Gedichts: Die Wahrheit ist der Eckpfeiler des Wandels, der Heilung und des wahren Fortschritts.
Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.
Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.