Das Ende vom Liede

Hermann Conradi

1887

Vergessen können ja! Das ist die Kunst, Von allen Künsten dieser Welt die erste Von allen Künsten dieser Welt die schwerste, Und bist du ihrer Herr, ist alles Dunst.

Ist alles Wurst, was jemals du gewesen, Was du geliebt, gehaßt, getan, gefehlt, gewollt, Ob sich dein Leben prunkvoll aufgerollt, Ob du für andre warst bequemer Besen.

Ob Sklave oder Herr dann ist′s egal, Vergessen können und nicht dran ersticken, Hinunterschlucken, lachen, weiterkrücken, Ins Leben weiter noch ein dutzendmal.

Dann tut′s ja nichts! Nun gut! Ich will′s probieren, Den letzten Lorbeerkranz will ich entblättern, Das letzte Amulett will ich zerschmettern, Wie man vergißt, will ich genau studieren.

Und eines Tages dann ist mir′s geglückt, Ich atme auf in grenzenloser Leere Und breche in die Knie und bete: Kehre, O kehre wieder, die du mich entzückt:

Geliebte Sünde, die ich froh beging Geliebte Reue, die ich kühn genossen. Gemach, mein Freund! Dein Schicksal ist beschlossen Und um dich schürzt sich des Vergessens Ring.

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Illustration zu Das Ende vom Liede

Interpretation

Das Gedicht "Das Ende vom Liede" von Hermann Conradi handelt von der Kunst des Vergessens als der schwierigsten und wichtigsten aller Künste. Der Sprecher betont, dass das Vergessen können der Schlüssel zum Loslassen von allem Vergangenen ist, sei es Liebe, Hass, Taten oder Fehler. Er beschreibt das Vergessen als eine Art Befreiung von der Last der Erinnerungen und der Identität, die man im Laufe des Lebens angenommen hat. In den folgenden Strophen beschreibt der Sprecher seinen Versuch, das Vergessen zu erlernen und zu perfektionieren. Er will den Lorbeerkranz entblättern und das Amulett zerschmettern, um das Vergessen genau zu studieren. Er betet um die Rückkehr der "Geliebten Sünde" und der "Geliebten Reue", die er einst fröhlich begangen und kühn genossen hat. Doch am Ende des Gedichts erkennt er, dass sein Schicksal besiegelt ist und sich der Ring des Vergessens um ihn schließt. Das Gedicht endet mit einer resignativen Note, da der Sprecher akzeptiert, dass er dem Vergessen nicht entkommen kann. Es ist ein Gedicht über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unausweichlichkeit des Vergessens. Es zeigt die menschliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und dem Wunsch, loszulassen und neu anzufangen.

Schlüsselwörter

will vergessen können allen künsten welt herr leben

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Vergessen können ja! Das ist die Kunst, Von allen Künsten dieser Welt die erste Von allen Künsten dieser Welt die schwerste, Und bist du ihrer Herr, ist alles Dunst.
Anapher
Ob Sklave oder Herr dann ist's egal, Vergessen können und nicht dran ersticken, Hinunterschlucken, lachen, weiterkrücken
Bildsprache
Und eines Tages dann ist mir's geglückt, Ich atme auf in grenzenloser Leere
Hyperbel
Ins Leben weiter noch ein dutzendmal.
Kontrast
Geliebte Sünde, die ich froh beging Geliebte Reue, die ich kühn genossen
Metapher
Und ist alles Wurst, was jemals du gewesen
Personifikation
Der letzte Lorbeerkranz will ich entblättern
Wiederholung
Vergessen können ja! Das ist die Kunst, Von allen Künsten dieser Welt die erste Von allen Künsten dieser Welt die schwerste