Das Einzig-Bleibende
1835Ich steh′ an dem rauschenden Zeitenstrom, Er donnert und fluthet vorüber! Der Zeiten Grab bist du, ewiges Rom, Des Zeitstroms Bild, o du Tiber! Es wanket rings das hesperische Land, Von der Berge Höh′ bis zum Meeresstrand; Doch er tobt rastlos vorüber!
O felsengegründete Hügelstadt! O schauerumflüsterte Höhen! Wer hemmt von den Hehren des Schicksals Rad? Wie sollt ihr dem Strome bestehen? Der Donner aus finsterer Wolken Schooß, Der zuckenden Blitze Doppelgeschoß, Umschmettern die prangenden Höhen.
Es stürzt hinab, was dem Staube gehört, Denn ewig ist nur der Gedanke! Was gebaut kann werden, wird auch zerstört, Doch unsichtbar sey, was nicht kranke; Es zerstöret die Zeit, was die Zeit gebaut, Wohl dem, der nur dem Unsterblichen traut, Er hat, wo sein Glaube nicht wanke.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Das Einzig-Bleibende" von Friederike Sophie Christiane Brun beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit der Zeit und der Beständigkeit des Gedankens. Die Autorin stellt den Zeitenstrom als eine unaufhaltsame Kraft dar, die alles Vergängliche hinwegspült, während das Ewige, der Gedanke, unverändert bleibt. Die Stadt Rom wird als Symbol für die Vergänglichkeit verwendet. Obwohl sie einst eine mächtige und prächtige Stadt war, ist sie dem Zeitenstrom unterworfen und wird von ihm hinweggespült. Die Hügelstadt wird als "felsengegründet" beschrieben, was ihre Stabilität und Beständigkeit betont. Doch selbst sie kann dem unaufhaltsamen Strom der Zeit nicht standhalten. Die Autorin betont, dass das Einzige, was ewig bleibt, der Gedanke ist. Alles, was gebaut werden kann, wird auch zerstört. Die Zeit zerstört, was sie selbst geschaffen hat. Doch wer dem Unsterblichen, dem Gedanken, vertraut, wird nicht wanken. Der Glaube an das Ewige gibt Halt und Stabilität in einer vergänglichen Welt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Es wanket rings das hesperische Land, Von der Berge Höh′ bis zum Meeresstrand
- Hyperbel
- O felsengegründete Hügelstadt! O schauerumflüsterte Höhen!
- Kontrast
- Es stürzt hinab, was dem Staube gehört, Denn ewig ist nur der Gedanke!
- Metapher
- Der Donner aus finsterer Wolken Schooß, Der zuckenden Blitze Doppelgeschoß
- Moralische Lehre
- Wohl dem, der nur dem Unsterblichen traut, Er hat, wo sein Glaube nicht wanke.
- Paradox
- Was gebaut kann werden, wird auch zerstört, Doch unsichtbar sey, was nicht kranke;
- Personifikation
- Ich steh′ an dem rauschenden Zeitenstrom, Er donnert und fluthet vorüber!
- Rhetorische Frage
- Wer hemmt von den Hehren des Schicksals Rad? Wie sollt ihr dem Strome bestehen?