Das Dasein
1754Ein dunkler Feind erheiternder Getränke, Ein Philosoph, trat neulich hin Und sprach: Ihr Herren, wißt, ich bin. Glaubt mir, ich bin. Ja, ja! Warum? Weil ich gedenke.
Ein Säufer kam und taumelt′ ihm entgegen, Und schwur bei seinem Wirth und Wein: Ich trink, o darum muß ich sein. Glaubt mir, ich trink: ich bin. Wer kann mich widerlegen?
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Das Dasein" von Friedrich von Hagedorn stellt zwei konträre Lebensweisen gegenüber: die des nüchternen Philosophen und die des trinkfreudigen Säufer. Der Philosoph behauptet, sein Dasein zu beweisen, indem er denkt, was an Descartes' berühmten Satz "Ich denke, also bin ich" erinnert. Der Säufer hingegen argumentiert, dass sein Trinken sein Sein begründet. Beide Charaktere sind sich sicher, dass ihre jeweilige Handlung ihr Dasein rechtfertigt. Das Gedicht karikiert die menschliche Neigung, das eigene Dasein durch äußere Handlungen oder innere Prozesse zu legitimieren. Der Philosoph sieht im Denken den Beweis für sein Sein, während der Säufer im Trinken die Rechtfertigung für sein Dasein findet. Hagedorn nutzt die Übertreibung, um die Absurdität beider Positionen aufzuzeigen und den Leser zum Nachdenken über die wahre Natur des Seins anzuregen. Die abschließende Frage "Wer kann mich widerlegen?" unterstreicht die subjektive Natur der Behauptungen beider Figuren. Es gibt keine objektive Wahrheit, die das eine oder andere Sein als gültiger erscheinen lässt. Hagedorn fordert den Leser auf, über die eigene Existenz nachzudenken und die Frage zu stellen, was das eigene Sein wirklich ausmacht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Personifikation
- Ein dunkler Feind erheiternder Getränke
- Rhetorische Frage
- Wer kann mich widerlegen?