Das Christkind in der Fremde
1849Ich habe bei Becherschimmer Gestern allein gewacht, Und habe wohl wie immer An Schlachten und Stürme gedacht.
Der Wein, der kraftgewürzte, War hell wie Heldenblut, Doch je mehr ich hinunterstürzte, Je trüber ward mein Mut.
Ich mocht’ es nicht mehr tragen, Ich ging in die Nacht hinein; Lichtwellen sah ich schlagen Aus Fenster und Fensterlein.
Da sah wie ein Bettlerkind ich In jeden erhellten Raum; Wo meine Mutter find’ ich, Wo steht mein Weihnachtsbaum?
Und als ich kam nach Hause, Was ist das in aller Welt? Da war in meiner Klause Ein jedes Fenster erhellt.
Und als ich trat ins Zimmer, Da war’s nicht mehr ein Traum, Da stand im vollsten Schimmer Der schönste Weihnachtsbaum.
Und an dem Strahl der Kerzen, Da fühlt’ ich, wie zerschmolz Im sturmbegierigen Herzen Der wilde, sehnende Stolz.
Es war so mild zu schauen, Wie jedes Lichtlein glomm, In die Augen tät mir tauen Ein Fühlen kindesfromm.
Mir war’s, als dürft’ ich träumen, Ich sei nicht mehr verwaist, Und es webte in den Räumen Meiner Mutter süßer Geist.
Doch die den Baum mir stellten In meine öde Nacht, Mag’s ihnen Gott vergelten, Wie selig sie mich gemacht!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Christkind in der Fremde" von Moritz Graf von Strachwitz handelt von einem einsamen und nachdenklichen Menschen, der in einer fremden Umgebung lebt und sich an Schlachten und Stürme erinnert. Der Wein, den er trinkt, verstärkt seine Trübsal und er fühlt sich nicht mehr in der Lage, seine Einsamkeit zu ertragen. Er geht in die Nacht hinaus und sieht Lichtwellen aus den Fenstern der Häuser schlagen, was ihn an seine Kindheit und an seine Mutter erinnert, die er vermisst. Als er nach Hause zurückkehrt, ist er überrascht, dass sein Zimmer hell erleuchtet ist und ein wunderschöner Weihnachtsbaum steht. Die Strahlkraft der Kerzen berührt sein sturmbegieriges Herz und lässt seinen wilden, sehnenden Stolz schmelzen. Er fühlt sich wie ein Kind, das von seiner Mutter umsorgt wird, und empfindet eine tiefe Dankbarkeit für die Menschen, die ihm diesen Baum geschenkt haben. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit und Heimat, die durch die Weihnachtszeit und den Anblick des Weihnachtsbaums geweckt wird. Es zeigt auch die Kraft der Gemeinschaft und der menschlichen Verbundenheit, die in schwierigen Zeiten Trost und Freude spenden können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Wie jedes Lichtlein glomm
- Hyperbel
- Mag’s ihnen Gott vergelten, / Wie selig sie mich gemacht!
- Kontrast
- Da war in meiner Klause / Ein jedes Fenster erhellt
- Metapher
- Meiner Mutter süßer Geist
- Personifikation
- Lichtwellen sah ich schlagen / Aus Fenster und Fensterlein
- Symbolik
- Wo steht mein Weihnachtsbaum?
- Vergleich
- War hell wie Heldenblut