Das Burschentum
1802Wenn die Becher fröhlich kreisen, Wenn in vollen Sangesweisen Tönt so manches Helden Ruhm, Ja, da muß man dich auch singen, Muß auch dir die Becher schwingen, Dir, du altes Burschentum!
Fragt ihr, wo die Freiheit wohne? Auf Europas weiter Zone Habt ihr nimmer sie gesehn; Nur bei alter treuer Sitte, In der Burschen froher Mitte Mag ihr Tempel noch bestehn.
Froh und frei, wie′s unsre Alten Einst zu ihrer Zeit gehalten, Leben wir, so lang es gilt; Freuen uns - mit leerer Tasche, Wenn uns nur aus voller Flasche Klar der braune Nektar quillt.
Nicht in marmornen Trophäen Kann die späte Nachwelt sehen, Was wir Brüder hier getan; Doch zum Denkstein unsern Siegen Häufen wir aus leeren Krügen Hohe Pyramiden an.
Mit dem Humpen in der Linken Wollen wir dein Wohlsein trinken, Altes, frohes Burschentum: Mit dem Hieber in der Rechten Wollen wir dich kühn verfechten, Freies, tapfres Burschentum!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Burschentum" von Wilhelm Hauff feiert die studentische Korporation und deren Werte wie Freundschaft, Freiheit und Geselligkeit. Es betont die Bedeutung von Tradition und Gemeinschaft, wobei die Freiheit in der Treue zu alten Sitten und Bräuchen verankert ist. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich, wobei der Genuss von Bier und Gesang im Vordergrund steht. Der Dichter hebt hervor, dass die wahre Freiheit nicht in den großen politischen Räumen Europas zu finden ist, sondern in der studentischen Gemeinschaft, wo sie noch in ihrer Reinheit existiert. Die zweite Strophe verdeutlicht die Lebensfreude und den unbeschwerten Geist der Burschen, die trotz leerer Taschen durch den Genuss von Bier und die Kameradschaft glücklich sind. Die Metapher des "braunen Nektars" verleiht dem Bier eine fast göttliche Qualität und unterstreicht die Bedeutung des gemeinsamen Trinkens als zentrales Element der studentischen Kultur. Die Erwähnung der "marmornen Trophäen" und der "leeren Krüge" deutet an, dass die Leistungen der Burschen nicht in materiellen Monumenten verewigt werden, sondern in den Erinnerungen und den gemeinsam errichteten "Pyramiden" aus leeren Krügen. Die letzte Strophe beschwört den Zusammenhalt und den Mut der Burschen, wobei der "Humpen" in der linken und der "Hieber" in der rechten Hand symbolisch für das Feiern und Verteidigen der studentischen Werte stehen. Der "Hieber" könnte als Anspielung auf den studentischen Duellbrauch verstanden werden, was den kämpferischen Aspekt der studentischen Gesinnung unterstreicht. Das Gedicht schließt mit einem begeisterten Ausruf auf das "freie, tapfere Burschentum", das als ein Hort der Freiheit und der Treue zu den eigenen Idealen dargestellt wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wenn die Becher fröhlich kreisen
- Anapher
- Muß auch dir die Becher schwingen
- Hyperbel
- Habt ihr nimmer sie gesehn
- Klärung
- Klar der braune Nektar quillt
- Kontrast
- Freuen uns - mit leerer Tasche
- Metapher
- Wollen wir dich kühn verfechten
- Personifikation
- Fragt ihr, wo die Freiheit wohne?
- Symbolik
- In der Burschen froher Mitte