Das bucklicht Männlein
1806(sp. 18. Jh.)
Will ich in mein Gärtlein gehen, will mein’ Zwiebeln gießen, steht ein bucklicht Männlein da, fängt als an zu niesen.
Will ich in mein Küchel gehen, will mein Süpplein kochen, steht ein bucklicht Männlein da, hat mein Töpflein brochen.
Will ich in mein Stüblein gehn, will mein Müslein essen, steht ein bucklicht Männlein da, hat’s schon halber gessen.
Will ich auf mei’n Boden gehn, will mein Hölzlein holen, steht ein bucklicht Männlein da, hat mir’s halber g’stohlen.
Will ich in mei’n Keller gehn, will mein Weinlein zapfen, steht ein bucklicht Männlein da, tut mir’n Krug wegschnappen.
Setz ich mich ans Rädlein hin, will mein Fädlein drehen, steht ein bucklicht Männlein da, lässt das Rad nicht gehen.
Geh ich in mein Kämmerlein, will mein Bettlein machen, steht ein bucklicht Männlein da, fängt als an zu lachen.
Wenn ich an mein Bänklein knie, will ein bisschen beten, steht das bucklicht Männlein da, fängt als an zu reden:
Liebes Kindlein, ach, ich bitt, bet fürs bucklicht Männlein mit!
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Interpretation
Das Gedicht "Das bucklicht Männlein" von einem unbekannten Autor ist ein traditionelles Volkslied aus dem 18. Jahrhundert. Es erzählt von einem bucklichten Männlein, das einer Person immer wieder in den Weg kommt und ihre Tätigkeiten stört. Das buckliche Männlein taucht an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Situationen auf. Es niest beim Gießen der Zwiebeln im Garten, bricht den Topf beim Kochen der Suppe, isst die Hälfte der Speise auf, stiehlt das Holz, schnappt den Krug beim Weinzapfen weg, hindert das Spinnrad am Drehen, lacht beim Aufmachen des Bettes und redet beim Beten. Es scheint eine Art Schreckgespenst oder Schelm zu sein, der die Person ständig ärgert und ihre Pläne durchkreuzt. Das Gedicht hat einen rhythmischen und reimenden Aufbau, der es leicht einprägsam und zum Mitsingen einlädt. Die Wiederholung des Satzes "steht ein bucklicht Männlein da" verstärkt den Eindruck des ständigen Wiederkehrens und der Belästigung durch das buckliche Männlein. Die verschiedenen Tätigkeiten, die die Person ausüben möchte, sind alltägliche Handlungen, die jeder kennt. Das buckliche Männlein stört jedoch in jeder Situation und macht es der Person unmöglich, ihre Aufgaben zu erledigen. Am Ende des Gedichts bittet das buckliche Männlein die Person darum, für es mitzubeten. Dies könnte als eine Art Versöhnung oder Versöhnungsangebot interpretiert werden. Es scheint, als ob das buckliche Männlein die Person nicht länger ärgern möchte und um Vergebung bittet. Die Person wird aufgefordert, für das buckliche Männlein zu beten, was als eine Geste der Güte und des Mitgefühls interpretiert werden kann. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine humorvolle und leicht düstere Atmosphäre. Es erinnert an die Volksmärchen und -sagen, in denen kleine Wesen oder Geister den Menschen Streiche spielen. Das buckliche Männlein symbolisiert möglicherweise die unvorhersehbaren und störenden Einflüsse des Lebens, die uns immer wieder in unseren Plänen behindern.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Die Wiederholung des Satzbaus 'Will ich in mein [Ort] gehen, will [Handlung]...' und 'steht ein bucklicht Männlein da, [Handlung]' in den Strophen 1-7.
- Ironie
- Die letzte Strophe, in der das 'bucklicht Männlein' den Sprecher bittet, für es zu beten, nachdem es ihn die ganze Zeit gestört hat.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen den friedlichen Absichten des Sprechers und den störenden Handlungen des 'bucklicht Männleins'.
- Metapher
- Das 'bucklicht Männlein' kann als Metapher für unerwartete Störungen oder Herausforderungen im Leben gesehen werden.
- Parallelismus
- Die Struktur der Strophen ist parallel aufgebaut, mit ähnlichen Anfängen und Endungen.
- Personifikation
- Das 'bucklicht Männlein' wird als störendes Wesen dargestellt, das menschenähnliche Handlungen ausführt.
- Reimschema
- Das Gedicht folgt einem konstanten Reimschema, wobei jede Strophe mit einem Paarreim endet.