Das Brünnchen der Vergeßenheit
1777Verzehrt von Schwermuth und von Liebe Floß immer seufzend, immer trübe Selindor in ein Brünnchen hin; Und alle, die zu diesem kamen, Vergaßen trinkend selbst den Namen Der ungetreuen Schäferin.
Philinden endlich zu vergeßen, Die schon zu lang dieß Herz beseßen, Kam ich auch jüngst hierher gerannt. Doch sie war mir zuvorgekommen Und hatte schon so viel genommen, Daß ich für mich kein Tröpfchen fand.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Brünnchen der Vergeßenheit" von Heinrich Christian Boie erzählt von der Sehnsucht nach Vergessenheit und der bitteren Erkenntnis, dass man zu spät kommt. Selindor, von Schwermut und Liebe verzehrt, sucht Trost in einem Brunnen, der Vergessenheit spendet. Diejenigen, die von diesem Brunnen trinken, vergessen sogar den Namen der untreuen Schäferin, die ihr Herz gebrochen hat. Philinden, die bereits zu lange das Herz des Sprechers besetzt hielt, war ebenfalls auf der Suche nach Vergessenheit. Der Sprecher eilte zum Brunnen, um sie zu vergessen, doch als er ankam, war Philinden bereits zuvorgekommen. Sie hatte bereits so viel aus dem Brunnen getrunken, dass für den Sprecher kein Tropfen mehr übrig blieb. Dies verdeutlicht die Frustration und das Gefühl des Ausgeschlossenseins, da die Möglichkeit des Vergessens bereits von Philinden ausgeschöpft wurde. Das Gedicht thematisiert die menschliche Erfahrung des Verlusts und die vergebliche Suche nach Erlösung von schmerzhaften Erinnerungen. Es zeigt, dass manchmal die Chance zur Heilung bereits von anderen genutzt wurde, bevor man selbst die Möglichkeit dazu hatte. Die Ironie liegt darin, dass der Sprecher, der den Brunnen aufsuchte, um Philinden zu vergessen, feststellen muss, dass Philinden selbst bereits dort war und alle verfügbare Hilfe in Anspruch genommen hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Selindor in ein Brünnchen
- Hyperbel
- Und hatte schon so viel genommen, Daß ich für mich kein Tröpfchen fand
- Metapher
- Verzehrt von Schwermuth und von Liebe
- Personifikation
- Floß immer seufzend, immer trübe Selindor
- Symbolik
- Das Brünnchen der Vergeßenheit