Das Brot

Wilhelm Busch

1832

Er saß beim Frühstück äußerst grämlich, Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich: “Aha, so ist es mit dem Orden Für diesmal wieder nichts geworden. Ja, Freund, wer seinen Blick erweitert Und schaut nach hinten und nach vorn, Der preist den Kummer, der ihn läutert. Ich selber war ein Weizenkorn. Mit vielen, die mir anverwandt, lag ich im lauen Ackerland. Bedrückt von einem Erdenkloß, macht′ ich mich mutig strebend los. Gleich kam ein alter Has gehupft und hat mich an der Nas gezupft, und als es Winter ward, verfror, was peinlich ist, mein linkes Ohr, und als ich reif mit meiner Sippe, o weh, da hat mit seiner Hippe der Hans uns rundweg abgesäbelt und zum Ersticken festgeknebelt und auf die Tenne fortgeschafft, wo ihrer vier mit voller Kraft im regelrechten Flegeltakte uns klopften, daß die Scharte knackte! Ein Esel trug uns in die Mühle. Ich sage dir, das sind Gefühle, wenn man, zerrieben und gedrillt zum allerfeinsten Staubgebild′, sich kaum besinnt und fast vergißt, ob Sonntag oder Montag ist. Und schließlich schob der Bäckermeister, nachdem wir erst als zäher Kleister in seinem Troge baß gehudelt, vermengt, geknebelt und vernudelt, uns in des Ofens höchste Glut. Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut? Frischauf, du hast genug, mein Lieber, greif zu und schneide nicht zu knapp und streiche tüchtig Butter drüber und gib den andern auch was ab !

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Illustration zu Das Brot

Interpretation

Das Gedicht "Das Brot" von Wilhelm Busch erzählt die Geschichte eines Brotkrumens, das zu einem Menschen spricht, der grämlich beim Frühstück sitzt. Das Krümchen erzählt von seiner eigenen Entstehungsgeschichte und den vielen Härten, die es durchleben musste, um schließlich zu Brot zu werden. Das Brot beginnt seine Erzählung damit, dass es einst ein Weizenkorn war, das zusammen mit vielen anderen in einem Acker lag. Es berichtet von den verschiedenen Widrigkeiten, die es überwinden musste: Es wurde von einem Hasen angeknabbert, sein linkes Ohr erfror im Winter und schließlich wurde es von einem Mann mit der Sichel geerntet. Das Korn wurde in der Mühle zu Mehl gemahlen und anschließend vom Bäcker zu Teig verarbeitet und im Ofen gebacken. Am Ende seiner Geschichte ermutigt das Brot den Menschen, nicht so grämlich zu sein und das Leben zu genießen. Es fordert ihn auf, kräftig zuzuschlagen und sich eine großzügige Butterstulle zu schmieren, und auch den anderen etwas abzugeben. Das Gedicht vermittelt eine optimistische Botschaft: Auch wenn das Leben manchmal hart und voller Herausforderungen ist, sollte man die kleinen Freuden nicht vergessen und das Beste daraus machen.

Schlüsselwörter

brot saß frühstück äußerst grämlich sprach krümchen vernehmlich

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
als zäher Kleister in seinem Troge baß gehudelt
Apostrophe
Frischauf, du hast genug, mein Lieber
Bildsprache
Mit vielen, die mir anverwandt, lag ich im lauen Ackerland
Enjambement
vermengt, geknebelt und vernudelt, uns in des Ofens höchste Glut
Hyperbel
uns klopften, daß die Scharte knackte!
Ironie
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Metapher
Ich selber war ein Weizenkorn
Personifikation
Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich