Das Bekenntniß

Friedrich von Hagedorn

1754

Ein feuriger Galan, der schlechten Dank erwarb, Und nicht viel rühmlicher, als Pherecydes, starb, Bekannte, was an ihm bereits unheilbar worden, Dem Priester Francion vom Carmeliterorden, Und sprach: Wie straft mich jetzt des Lasters Schändlichkeit! Ach kennt′ ich, so wie ihr, doch keine Lüsternheit; So hätt′ ich diesen Tod nicht Julien zu danken!

Wie? Julien? o schweigt! versetzt der Mönch dem Kranken. Den Lügen bin ich gram; das ist des Ordens Pflicht. Verleumdet Juliens gesunde Schönheit nicht. Wär′ ein so schnödes Gift bei Julchen eingerissen, Der Pater Guardian, und ich, wir müßten′s wissen.

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Interpretation

Das Gedicht "Das Bekenntniß" von Friedrich von Hagedorn handelt von einem sterbenden Galan, der einem Priester seine Sünden beichtet. Der Galan wirft seiner Geliebten Julien vor, ihn mit einer unheilbaren Krankheit angesteckt zu haben. Doch der Mönch Francion weist diese Anschuldigung zurück und verteidigt Julien. Er betont, dass Lügen nicht zur Aufgabe des Ordens gehören und dass Julien unschuldig ist. Der Mönch deutet an, dass er und der Pater Guardian von Juliens Gesundheit überzeugt sind. Das Gedicht kritisiert die Doppelmoral und die Schuldzuweisungen in der Gesellschaft. Der Galan versucht, seine eigene Verantwortung für sein Handeln abzuwälzen, indem er Julien beschuldigt. Der Mönch hingegen setzt sich für die Wahrheit und Gerechtigkeit ein und weist die falschen Anschuldigungen zurück. Das Gedicht verdeutlicht, dass es wichtig ist, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen und nicht andere für die eigenen Fehler verantwortlich zu machen.

Schlüsselwörter

julien feuriger galan schlechten dank erwarb viel rühmlicher

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Stilmittel

Anspielung
Pherecydes
Metapher
Ein feuriger Galan
Personifikation
Wie straft mich jetzt des Lasters Schändlichkeit!
Rhetorische Frage
Wie? Julien? o schweigt! versetz der Mönch dem Kranken.