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Das Bekenntniß

Von

Ein feuriger Galan, der schlechten Dank erwarb,
Und nicht viel rühmlicher, als Pherecydes, starb,
Bekannte, was an ihm bereits unheilbar worden,
Dem Priester Francion vom Carmeliterorden,
Und sprach: Wie straft mich jetzt des Lasters Schändlichkeit!
Ach kennt′ ich, so wie ihr, doch keine Lüsternheit;
So hätt′ ich diesen Tod nicht Julien zu danken!

Wie? Julien? o schweigt! versetzt der Mönch dem Kranken.
Den Lügen bin ich gram; das ist des Ordens Pflicht.
Verleumdet Juliens gesunde Schönheit nicht.
Wär′ ein so schnödes Gift bei Julchen eingerissen,
Der Pater Guardian, und ich, wir müßten′s wissen.

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Gedicht: Das Bekenntniß von Friedrich von Hagedorn

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Bekenntniß“ von Friedrich von Hagedorn präsentiert in Dialogform eine Auseinandersetzung über Schuld, Reue und die Wahrnehmung von moralischem Verfall. Im Zentrum steht die Sterbeszene eines Galans, der am Ende seines Lebens seine Verfehlungen bekennt und die Ursache seines Übels in einer gewissen „Julien“ sieht. Die Struktur des Gedichts ist schlicht, doch die darin enthaltenen Themen sind von großer Tragweite.

Die Aussage des Galans wird von dem Mönch Francion, einem Mitglied des Karmeliterordens, mit großer Skepsis aufgenommen. Francion, der als Hüter der moralischen Werte fungiert, widerspricht der Darstellung des Galans und weist dessen Schuldzuweisung vehement zurück. Er wirft dem Galan vor, zu lügen und Julien, deren „gesunde Schönheit“ er bewundert, zu verleumden. Der Mönch beruft sich dabei auf die Pflicht des Ordens, Falschaussagen zu korrigieren und die Unschuld Julies zu verteidigen.

Das Gedicht wirft Fragen nach der Natur von Schuld und Verantwortung auf. Der Galan scheint die Verantwortung für sein eigenes Scheitern auf äußere Umstände und insbesondere auf die Frau, die ihn verführt hat, zu schieben. Der Mönch hingegen vertritt eine andere Sichtweise, indem er die Schuldzuweisung des Galans zurückweist und die moralische Integrität Julies verteidigt. Dies deutet auf unterschiedliche moralische Perspektiven und die Schwierigkeit der Wahrheitsfindung in komplexen Situationen hin.

Hagedorns Gedicht ist ein Beispiel für die Auseinandersetzung mit moralischen Fragen im 18. Jahrhundert. Es beleuchtet die Spannung zwischen individueller Verantwortung und äußeren Einflüssen sowie die Bedeutung von Wahrheit und Anstand. Das Gedicht endet offen, ohne eine eindeutige Lösung für das Dilemma des Galans anzubieten, was den Leser dazu anregt, über die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Schwierigkeit, moralische Urteile zu fällen, nachzudenken.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.