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Das Banket

Von

Die Diener eilen hin und her,
Sie tragen auf zum Feste,
Die Tafel prangt von Silber schwer,
Wo bleiben nur die Gäste?

Und eh‘ ich wart‘ in Ewigkeit,
Schreit wild der Herr vom Hause,
So seien alle Teufel heut
Geladen zu dem Schmause!

Da glänzt im Hofe Fackelschein,
Da scharrt es auf dem Gange,
Geputzte Herren treten ein
Mit hellem Sporenklange.

Willkomm, ihr Herrn, so spricht der Graf,
Lang seid ihr ausgeblieben,
Nun aber sei mit Trinken brav
Und Schmaus die Zeit vertrieben!

Die Gäste nicken wunderlich
Mit schmunzelndem Gesichte,
Sie räuspern sich, verbeugen sich
Im Kerzenflimmerlichte.

Des Grafen Knie sein Kind umflicht,
Hängt sich an ihn mit Bangen:
»Ach, siehst du denn die Krallen nicht,
Die spitzigen, die langen?«

Der Graf nach ihren Fingern sieht –
»Hilf, Herr, im Himmel droben!«
Graf, Gräfin und Gesinde stiebt,
Wie Spreu im Wind zerstoben.

Im Saal erschallt ein Jubelschrei,
Sie setzen sich zum Schmause,
Es quackt, es schnarrt: »Juchhei! Juchhei!
Nun sind wir Herrn im Hause!«

Wie tobt das wilde Höllenpack
Mit Springen und mit Singen!
Die Fidel kreischt, der Dudelsack,
Man hört die Gläser klingen.

Sie füllen sich den Höllenbauch,
Sie grunzen, bellen, mauen,
Man sah sie aus den Fenstern auch
Mit langen Rüsseln schauen.

Die Gräfin lauschet in die Höh‘,
Es gellt ihr in die Ohren,
Sie sieht umher: »O weh, o weh!
Mein Kind, mein Kind verloren!

Vergessen blieb mein armes Kind
Dort oben in dem Saale!«
Ein treuer Diener läuft geschwind
Hinauf zum Teufelsmahle.

Er höret auf der Treppe schon
Ein Näseln und ein Meckern,
Sie treiben mit dem Kinde Hohn,
Sie schnäbeln und sie schäkern.

Der Eine reicht’s dem andern dar,
Es auf dem Arm zu schaukeln,
Sie zupfen es am blonden Haar,
Sie tänzeln und sie gaukeln.

Der Diener ohne Furcht und Schreck
Steht mitten in dem Schwarme,
Ergreift das Kind und reißt es keck
Aus eines Teufels Arme.

Gieb her das Kind, so schreit er laut,
In Jesu Christi Namen!
Das Kindlein munter um sich schaut
Und leise sagt es: Amen!

Von oben glänzt ein heller Strahl,
Die Gäste sind verschwunden,
Der Diener steht im leeren Saal,
Den Arm um’s Kind gewunden.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Das Banket von Friedrich Theodor Vischer

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Banket“ von Friedrich Theodor Vischer ist eine düstere Ballade, die auf eindrucksvolle Weise eine Geschichte von teuflischem Übermut, Verlust und letztendlicher Erlösung erzählt. Es beginnt mit einer scheinbar harmlosen Szene eines Festes, das auf das Eintreffen der Gäste wartet. Die anfängliche Ungeduld des Grafen verwandelt sich in einen fatalen Fehler, als er „alle Teufel“ zum Festmahl einlädt.

Die Ankunft der teuflischen Gäste wird in lebendigen Bildern geschildert: „Geputzte Herren treten ein / Mit hellem Sporenklange.“ Die anfängliche Gastfreundschaft des Grafen wird von einer unheimlichen Atmosphäre überschattet, die durch das Verhalten der Gäste und die Warnung des kleinen Kindes vor den „Krallen“ und „spitzigen, langen“ Fingern verdeutlicht wird. Die Erkenntnis des Grafen und seiner Familie, dass sie sich in eine Falle begeben haben, führt zu einer panischen Flucht, die jedoch zu spät kommt.

Der zweite Teil des Gedichts beschreibt das teuflische Mahl selbst. Die Dämonen feiern ihre neu gewonnene Herrschaft über das Haus, während das Kind gefangen genommen wird. Die Beschreibung der teuflischen Aktivitäten ist bildhaft und unheimlich, mit Geräuschen wie „quackt, es schnarrt“ und „Grunzen, bellen, mauen.“ Die Verzweiflung der Gräfin über den Verlust ihres Kindes und die heldenhafte Tat des Dieners, der sich ohne Furcht den Dämonen entgegenstellt, bilden den Höhepunkt der Ballade.

Die Erlösung des Kindes durch den Diener, der im Namen Jesu Christi handelt, ist ein zentrales Element des Gedichts. Durch das Aussprechen des „Amen“ des Kindes und das Eingreifen einer „hellen Strahl“ wird die Macht des Bösen gebrochen und die Dämonen verschwinden. Das Gedicht endet mit dem Diener, der das Kind beschützt, ein Symbol der Hoffnung und des Triumphes des Guten über das Böse. Das Gedicht ist somit eine eindringliche Warnung vor der Anziehungskraft des Bösen und ein Loblied auf den Glauben und die Erlösung.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.