Das andere Ufer
1939Einmal wird ein Ende aller Irrfahrt sein. Müdgewordne Hände ziehn die Segel ein.
Leise ruft der Rufer allen Sturm zur Ruhr. Einem andern Ufer treibt der Nachen zu.
Und die vor mir gingen schauen nach mir aus, um mich heimzubringen in mein Vaterhaus.
Wortlos knie ich nieder in den Silbersand: nimm mich, nimm mich wieder, seliges Sonnenland!
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Interpretation
Das Gedicht "Das andere Ufer" von Manfred Kyber thematisiert die Sehnsucht nach Ruhe und Heimat nach einer langen, mühsamen Lebensreise. Es beschreibt das Ende einer Irrfahrt, bei der die erschöpften Hände die Segel einziehen und der Rufer den Sturm zur Ruhe ruft. Der Kahn treibt auf ein anderes Ufer zu, was den Übergang ins Jenseits oder eine neue Lebensphase symbolisieren könnte. Im zweiten Teil des Gedichts werden die Verstorbenen angesprochen, die vor dem lyrischen Ich gegangen sind und nun nach ihm Ausschau halten, um es in das "Vaterhaus" zu bringen. Dieses Vaterhaus kann als Metapher für die ewige Heimat oder das Paradies verstanden werden, zu dem die Seele nach dem Tod zurückkehrt. Das lyrische Ich selbst kniet wortlos im Silbersand und fleht um Aufnahme in dieses selige Land. Die Sprache des Gedichts ist bildhaft und metaphorisch. Die "Irrfahrt" steht für das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, die "müdgewordnen Hände" symbolisieren die Erschöpfung des Lebens. Der "Rufer", der den Sturm zur Ruhe ruft, könnte als eine höhere Macht oder das Schicksal interpretiert werden, das den Übergang ins Jenseits einleitet. Das "selige Sonnenland" am Ende des Gedichts evoziert eine positive Vorstellung vom Tod als Übergang in ein friedliches, heiteres Dasein.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Wortlos knie ich nieder in den Silbersand
- Metapher
- Nimm mich, nimm mich wieder, seliges Sonnenland
- Personifikation
- Leise ruft der Rufer allen Sturm zur Ruhr
- Symbolik
- Einem andern Ufer treibt der Nachen zu