Das Alter
1749Hoch mit den Wolken geht der Vögel Reise, Die Erde schläfert, kaum noch Astern prangen, Verstummt die Lieder, die so fröhlich klangen, Und trüber Winter deckt die weiten Kreise.
Die Wanduhr pickt, im Zimmer singet leise Waldvöglein noch, so du im Herbst gefangen. Ein Bilderbuch scheint alles, was vergangen, Du blätterst drin, geschützt vor Sturm und Eise.
So mild ist oft das Alter mir erschienen: Wart nur, bald taut es von den Dächern wieder Und über Nacht hat sich die Luft gewendet.
Ans Fenster klopft ein Bot′ mit frohen Mienen, Du trittst erstaunt heraus - und kehrst nicht wieder, Denn endlich kommt der Lenz, der nimmer endet.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Das Alter" von Joseph von Eichendorff beschreibt das Alter als eine Zeit der Ruhe und des Rückblicks. Die Natur dient als Metapher für den Lebenszyklus: Der Herbst und der Winter stehen für die späten Lebensphasen, während das Frühjahr für Erneuerung und das Ende des Lebens symbolisiert. Das Gedicht beginnt mit einer melancholischen Stimmung, die das Vergehen der Zeit und das Verstummen der einst fröhlichen Lieder beschreibt. Im zweiten Teil des Gedichts wird das Alter als eine Zeit der Besinnung und des Friedens dargestellt. Die Wanduhr tickt, und die Erinnerungen an die Vergangenheit werden wie ein Bilderbuch durchblättert. Der Mensch ist geschützt vor den Stürmen des Lebens und kann in Ruhe auf sein Leben zurückblicken. Diese Beschreibung vermittelt eine milde und friedliche Sicht auf das Alter. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass das Alter nicht das endgültige Ziel ist, sondern eine Übergangsphase. Der "Bot" klopft ans Fenster und bringt die frohe Botschaft des ewigen Frühlings. Der Mensch tritt erstaunt hinaus und kehrt nicht mehr zurück, da er in eine ewige, fröhliche Existenz eintritt. Dies symbolisiert den Tod als Übergang in eine bessere, unendliche Welt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- der Lenz, der nimmer endet
- Personifikation
- Die Erde schläfert