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Das Almosen

Von

Was hör ich dort in jedem Haus,
Und hier im Hof für ein Geschrei?
Beatrix teilt dort Gaben aus,
Und hier legt unsre Henn′ ein Ei.

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Gedicht: Das Almosen von Christian Felix Weiße

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Almosen“ von Christian Felix Weiße ist eine kurze, humorvolle Beobachtung über die scheinbare Diskrepanz zwischen Wohltätigkeit und den einfachen Freuden des Lebens. Es zeigt eine spielerische Gegenüberstellung von edlen menschlichen Handlungen und den alltäglichen, profanen Bedürfnissen, die das Leben bestimmen. Der Autor nutzt einen leichtfüßigen Stil, um die Ironie des Kontrasts zu verdeutlichen.

Die ersten beiden Verse stellen die Szenerie vor: „Was hör ich dort in jedem Haus, / Und hier im Hof für ein Geschrei?“ Der Dichter lenkt die Aufmerksamkeit auf zwei verschiedene Schauplätze. Im Haus, das impliziert eine soziale und vielleicht gehobene Umgebung, wird eine Wohltätigkeitsaktion, symbolisiert durch „Beatrix teilt dort Gaben aus,“ durchgeführt. Im Gegensatz dazu befindet sich die Szene im Hof, wo ein ganz anderes Ereignis stattfindet: „Und hier legt unsre Henn′ ein Ei.“ Diese Gegenüberstellung ist der Kern des Gedichts und bildet die Basis für die weitere Interpretation.

Die humorvolle Pointe liegt in der Gegenüberstellung von Beatrix, die Almosen verteilt, und der Henne, die ein Ei legt. Beide Handlungen sind in gewisser Weise Gaben, aber sie unterscheiden sich grundlegend in ihrer Natur und ihrem Kontext. Die Wohltätigkeit, symbolisiert durch Beatrix, repräsentiert eine moralische, ethische und soziale Dimension. Das Eierlegen der Henne hingegen ist ein einfacher, natürlicher Vorgang, der das tägliche Leben und die Grundbedürfnisse der Menschen widerspiegelt.

Weiße spielt hier mit der menschlichen Tendenz, spirituelle Werte und weltliche Bedürfnisse gegenüberzustellen. Die Frage, ob die Gabe der Beatrix als bedeutsamer angesehen werden sollte als das Ei, das die Henne legt, steht implizit im Raum. Die Kürze des Gedichts verstärkt seine Wirkung, indem es dem Leser die Möglichkeit gibt, über die scheinbare Banalität des Alltags und die Bedeutung von Wohltätigkeit und Nützlichkeit nachzudenken. Es ist eine subtile Erinnerung daran, dass das Leben aus einer Vielzahl von Erfahrungen besteht und dass sowohl die grossen Gesten als auch die kleinen Freuden ihren Platz haben.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.