Das Ärgernis

Ludwig Thoma

unknown

Was ist das doch in diesen Tagen Ein Summen, Surren, Hasten, Jagen! Am Boden welch ein froh Gewühl! Ein jeder Käfer zeigt Gefühl Und muss sein Weibchen wild umfassen. Die ganze Welt ist ausgelassen, Und jedes Tier begreift sein Leben In Liebe nehmen, Liebe geben. Das ist ein Werben, Jubeln, Klagen In diesen schönen Frühlingstagen!

Ein Ochse steht am Wiesenrand, Und sein kastrierter Viehverstand muss unberührt von diesem Treiben Und dieser Sinnenfreude bleiben. Er fühlt im Fressen sich gestört Von allem, was er sieht und hört. Da wird gejagt und wird getanzt Und sich ganz einfach fortgepflanzt!

Das unbekümmerte Gewühl Verletzt sein tiefstes Schamgefühl. Wie kann es nur der Schöpfer sehen, Dass solche Dinge hier geschehen?! Ihm kommt es ganz abscheulich vor, Und klagend blickt sein Aug′ empor. — Ja, ja! Man sieht ′s dem Ochsen an: Das Rindvieh ist ultramontan.

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Illustration zu Das Ärgernis

Interpretation

Das Gedicht "Das Ärgernis" von Ludwig Thoma beschreibt die Frühlingsstimmung in der Natur, in der alle Tiere von ihren Paarungsinstinkten getrieben sind. Käfer und andere Tiere zeigen ein reges Treiben und sind von der Liebe und Fortpflanzung besessen. Der Ochse hingegen steht abseits und fühlt sich durch das Treiben der anderen Tiere gestört und belästigt. Sein kastrierter Zustand lässt ihn von den natürlichen Instinkten unberührt bleiben, und er empfindet das Paarungsverhalten der anderen Tiere als anstößig und unanständig. Der Ochse betrachtet das Paarungsverhalten der anderen Tiere als ein Ärgernis und ein Ärgernis für den Schöpfer. Er kann nicht verstehen, wie der Schöpfer solch ein Treiben zulassen kann und empfindet es als abscheulich. Der Ochse schaut mit einem kläglichen Blick zum Himmel empor und scheint den Schöpfer um eine Erklärung für dieses Verhalten zu bitten. Das Gedicht endet mit der ironischen Aussage, dass der Ochse ultramontan ist, was bedeutet, dass er konservativ und traditionell eingestellt ist. Das Gedicht "Das Ärgernis" von Ludwig Thoma ist eine humorvolle und ironische Betrachtung des Frühlings und des Paarungsverhaltens der Tiere. Der Ochse wird als ein Beispiel für einen konservativen und prüden Charakter dargestellt, der das natürliche Verhalten der anderen Tiere als anstößig empfindet. Das Gedicht spielt mit den Vorstellungen von Moral und Anstand und zeigt auf humorvolle Weise, wie unterschiedlich Tiere und Menschen auf die natürlichen Instinkte reagieren können.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Was ist das doch in diesen Tagen Ein Summen, Surren, Hasten, Jagen!
Ausruf
— Ja, ja! Man sieht ′s dem Ochsen an:
Bildsprache
Da wird gejagt und wird getanzt Und sich ganz einfach fortgepflanzt!
Frage
Wie kann es nur der Schöpfer sehen, Dass solche Dinge hier geschehen?!
Hyperbel
Ein jeder Käfer zeigt Gefühl
Ironie
Das unbekümmerte Gewühl Verletzt sein tiefstes Schamgefühl.
Kontrast
Ein Ochse steht am Wiesenrand, Und sein kastrierter Viehverstand muss unberührt von diesem Treiben Und dieser Sinnenfreude bleiben.
Metapher
Die ganze Welt ist ausgelassen
Personifikation
Am Boden welch ein froh Gewühl!
Spitzname
Das Rindvieh ist ultramontan.