Daran kranket die Zeit
unknownDaran kranket die Zeit, daß sie stets mit kleinlichen Mitteln Spielt und versucht und dabei Großes zu schaffen vermeint. Niemand wagt den geradesten Weg; man fügt sich dem Weltlauf, Da sich der Weltlauf doch stets dem Gewaltigen fügt. Freilich beschränkterer Sinn bebt scheu vor stürmischer Meerfahrt, Weil er im Wetter sich nicht kräftig zu steuern getraut; Aber dem Genius schenkte der Gott zur Schwester die Kühnheit, Und durch Klippen und Sturm führt er zum Hafen das Schiff. Nicht in den Abgrund späht er mit Angst; er erhebt zu den Sternen Mutig das Haupt. Noch nie haben die Sterne getäuscht.
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Interpretation
Das Gedicht "Daran kranket die Zeit" von Emmanuel Geibel kritisiert die Zögerlichkeit und Kleinlichkeit der gegenwärtigen Zeit. Geibel bemängelt, dass die Menschen mit "kleinlichen Mitteln" spielen und dabei Großes schaffen wollen, ohne den "geradesten Weg" zu wagen. Er betont, dass sich der "Weltlauf" nur den "Gewaltigen" fügt, was darauf hindeutet, dass wahre Größe und Erfolg nur durch Mut und Entschlossenheit erreicht werden können. In den folgenden Strophen kontrastiert Geibel den begrenzten Geist, der vor "stürmischer Meerfahrt" zurückschreckt, mit dem Genie, das von Gott mit "Kühnheit" ausgestattet wurde. Der Genius navigiert mutig durch "Klippen und Sturm" und führt das Schiff sicher zum Hafen. Dieses Bild symbolisiert die Fähigkeit des Genies, Hindernisse zu überwinden und trotz aller Widrigkeiten sein Ziel zu erreichen. Das Gedicht schließt mit einer ermutigenden Botschaft: Der Genius blickt nicht voller Angst in den "Abgrund", sondern erhebt mutig den Kopf zu den Sternen. Geibel betont, dass die Sterne noch nie getäuscht haben, was darauf hindeutet, dass diejenigen, die mutig und entschlossen sind, letztendlich belohnt werden. Das Gedicht ist eine Aufforderung, sich von der Angst und Zögerlichkeit der Zeit zu lösen und mutig nach den Sternen zu greifen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- die Sterne getäuscht
- Personifikation
- sich der Weltlauf fügt