Dann, wenn du gehst...
1929Dann, wenn Du gehst, scheinst Du mir nie gewesen. Ich finde mich, wie der vom Traum erwacht, Versehnt nach einer nächsten tiefern Nacht, Zur alten Lüge lächelnd zu genesen.
Dann, wenn Du kommst, weiß ich mich nicht erhalten Je ohne Dich, Du Herz der toten Welt: Du Brand, vor dessen Glut mich das Erkalten, Dem ich entrann, erinnernd überfällt -
So schwank ich, willig immer zu verlachen Der frühern Stunde Armut; find ich mich Zwischen Phantomen taumelnd; in den Rachen
Gleit ich der Zeit, unwissend: liebt ich Dich Eben im Traum, eben im Traum-Erwachen? Dies nur: ich tats, blieb unabänderlich.
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Interpretation
Das Gedicht "Dann, wenn du gehst..." von Maria Luise Weissmann handelt von der intensiven, fast süchtig machenden Natur einer Liebesbeziehung. Die lyrische Ich-Persönlichkeit beschreibt, wie sie sich in Abwesenheit des Geliebten leer und verloren fühlt, als wäre die gemeinsame Zeit nur ein Traum gewesen. Sie sehnt sich nach der nächsten Begegnung, um dem Schmerz des Verlustes zu entfliehen. In der zweiten Strophe wird die tiefe Abhängigkeit der Sprecherin von ihrem Partner deutlich. Sie fühlt sich ohne ihn wie in einer "toten Welt" und vergleicht seine Anwesenheit mit einem brennenden Feuer, das sie gleichzeitig anzieht und erschreckt. Die Angst vor dem Erkalten, also dem Verlust dieser intensiven Gefühle, überfällt sie. Die letzte Strophe verdeutlicht die unstete, ungewisse Natur dieser Beziehung. Die Sprecherin taumelt zwischen den Extremen von An- und Abwesenheit des Geliebten, gefangen in einem Kreislauf aus Sehnsucht und Enttäuschung. Sie stellt sich die Frage, ob ihre Liebe echt war oder nur ein Traum, und kommt zu dem Schluss, dass sie existierte und unwiderruflich ist, auch wenn ihre Natur unklar bleibt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dem ich entrann, erinnernd überfällt
- Kontrast
- Dann, wenn Du gehst... Dann, wenn Du kommst
- Metapher
- Ich finde mich, wie der vom Traum erwacht
- Personifikation
- Du Herz der toten Welt
- Rhetorische Frage
- Eben im Traum, eben im Traum-Erwachen?
- Symbolik
- Du Brand, vor dessen Glut mich das Erkalten