Danklied

Paul Gerhardt

1830

Gott Lob! Nun ist erschollen Das edle Fried- und Freudenwort, Daß nunmehr ruhen sollen Die Spieß und Schwerter und ihr Mord. Wohlauf und nimm nun wieder Dein Saitenspiel hervor, O Deutschland, und sing Lieder Im hohen vollen Chor. Erhebe dein Gemüte Zu deinem Gott und sprich: Herr, deine Gnad und Güte Bleibt dennoch ewiglich!

Wir haben nichts verdienet Als schwere Straf und großen Zorn, Weil stets noch bei uns grünet Der freche schnöde Sündendorn. Wir sind fürwahr geschlagen Mit harter, scharfer Rut, Und dennoch muß man fragen: Wer ist, der Buße tut? Wir sind und bleiben böse, Gott ist und bleibet treu, Hilft, daß sich bei uns löse Der Krieg und sein Geschrei.

Sei tausendmal willkommen, Du teure werte Friedensgab! Jetzt sehn wir, was für Frommen Dein Bei-uns-wohnen in sich hab; In dir hat Gott versenket All unser Glück und Heil. Wer dich betrübt und kränket, Der drückt sich selbst den Pfeil Des Herzleids in das Herze Und löscht aus Unverstand Die güldne Freudenkerze Mit seiner eignen Hand.

Das drückt uns niemand besser In unser Herz und Seel hinein Als ihr zerstörten Schlösser Und Städte voller Schutt und Stein; Ihr vormals schönen Felder Mit frischer Saat bestreut, Jetzt aber lauter Wälder Und dürre wüste Heid; Ihr Gräber voller Leichen Und blutgen Heldenschweiß Der Helden, derengleichen Auf Erden man nicht weiß.

Hier trübe deine Sinnen, O Mensch, und laß die Tränenbach Aus beiden Augen rinnen, Geh in dein Herz und denke nach: Was Gott bisher gesendet, Das hast du ausgelacht, Nun hat er sich gewendet Und väterlich bedacht, Vom Grimm und scharfen Dringen Zu deinem Heil zu ruhn, Ob er dich möchte zwingen Mit Lieb und Gutestun.

Ach, laß dich doch erwecken, Wach auf, wach auf, du harte Welt, Eh als das harte Schrecken Dich schnell und plötzlich überfällt! Wer aber Christum liebet, Sei unerschrocknes Muts, Der Friede, den er gibet, Bedeutet alles Guts. Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu, Da sollt ihr bei Gott leben In ewgem Fried und Ruh.

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Illustration zu Danklied

Interpretation

Das Gedicht "Danklied" von Paul Gerhardt ist ein geistliches Werk, das den Dank für den Frieden und die Erlösung zum Ausdruck bringt. Der Dichter preist die göttliche Gnade, die trotz menschlicher Sündhaftigkeit und Strafe anhält. Er betont die Wichtigkeit der Buße und des Glaubens an Gott, der den Frieden bringt und das Leid beendet. Gerhardt verwendet eindringliche Bilder, um die Zerstörung und das Leid zu beschreiben, die durch den Krieg verursacht wurden. Er ruft die Menschen dazu auf, über die Vergangenheit nachzudenken und die Zeichen der göttlichen Barmherzigkeit zu erkennen. Das Gedicht ermutigt zur Umkehr und zum Vertrauen auf Gottes Liebe, die letztendlich zum ewigen Frieden führt. Der Dichter schließt mit einer Botschaft der Hoffnung und des Trostes für die Gläubigen. Er versichert, dass Christus, der den Frieden bringt, allen Gutes bedeutet und dass das Ende naht, in dem die Menschen bei Gott in ewigem Frieden und Ruhe leben werden.

Schlüsselwörter

gott fried dennoch heil drückt herz voller laß

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Stilmittel

Alliteration
schwere Straf und großen Zorn
Anapher
Wohlauf und nimm nun wieder / Dein Saitenspiel hervor, / O Deutschland, und sing Lieder / Im hohen vollen Chor.
Apostrophe
O Mensch
Bildsprache
Ihr Gräber voller Leichen / Und blutgen Heldenschweiß
Enjambement
Gott Lob! Nun ist erschollen / Das edle Fried- und Freudenwort
Hyperbel
Wohlauf und nimm nun wieder / Dein Saitenspiel hervor
Kontrast
Gott ist und bleibet treu, / Hilft, daß sich bei uns löse / Der Krieg und sein Geschrei
Metapher
Die güldne Freudenkerze
Parallelismus
Wir haben nichts verdienet / Als schwere Straf und großen Zorn
Personifikation
O Deutschland
Reimschema
AABB
Symbolik
Die güldne Freudenkerze