Danach
unknownEs wird nach einem happy end im Film jewöhnlich abjeblendt. Man sieht bloß noch in ihre Lippen den Helden seinen Schnurrbart stippen - da hat sie nun den Schentelmen. Na, und denn-?
Denn jehn die beeden brav ins Bett Na ja… diß is ja auch janz nett. A manchmal möchte man doch jern wissen: Wat tun se, wenn se sich nich kissen? Die könn ja doch nich immer penn…! Na, und denn -?
Denn säuselt im Kamin der Wind. Denn kricht det junge Paar ’n Kind. Denn kocht se Milch. Die Milch looft üba. Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba. Denn wolln sich beede jänzlich trenn… Na, und denn -?
Denn is det Kind nich uffn Damm. Denn bleihm die beeden doch zesamm. Denn quäln se sich noch manche Jahre. Er will noch wat mit blonde Haare: vorn doof und hinten minorenn… Na, und denn -?
Denn sind se alt. Der Sohn haut ab. Der Olle macht nu ooch bald schlapp. Vajessen Kuss und Schnurrbartzeit - Ach, Menschenskind, wie liecht det weit! Wie der noch scharf uff Muttern war, det is schon beinah nich mehr wahr! Der olle Mann denkt so zurück: wat hat er nu von seinen Jlück? Die Ehe war zum jrößten Teile vabrühte Milch und Langeweile. Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abjeblendt.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Danach" von Kurt Tucholsky beschäftigt sich mit der Frage, was nach dem glücklichen Ende eines Films passiert. Es beginnt mit der typischen Szene im Film, in der der Held der Heldin einen Kuss auf die Lippen gibt und dann abblendet. Tucholsky stellt sich die Frage, was danach geschieht und wie das Leben der beiden Protagonisten weitergeht. Die folgenden Strophen beschreiben verschiedene Phasen des Lebens, die nach dem happy end folgen könnten. Es werden Szenen wie das gemeinsame Zubettgehen, das Kinderkriegen, das Streiten und die mögliche Trennung dargestellt. Tucholsky zeigt, dass das Leben nicht immer so perfekt ist wie im Film und dass es auch Höhen und Tiefen gibt. Im letzten Teil des Gedichts wird das Alter der Protagonisten thematisiert. Der Sohn verlässt das Elternhaus, der Mann wird alt und schwach. Die Leidenschaft der Jugendzeit wird als fast unglaubwürdig dargestellt. Tucholsky betont, dass die Ehe oft von Routine und Langeweile geprägt ist. Er kommt zu dem Schluss, dass das happy end im Film oft abrupt endet, weil das reale Leben nach dem glücklichen Ende nicht so perfekt ist, wie es im Film dargestellt wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die bildhafte Sprache, wie 'der Schnurrbart stippen' und 'die Milch looft üba', malt lebendige Bilder im Kopf des Lesers.
- Enjambement
- Der Übergang von einer Zeile zur nächsten ohne Pause, wie in 'Denn kocht se Milch. Die Milch looft üba.', erzeugt einen fließenden und natürlichen Rhythmus.
- Ironie
- Die Ironie liegt in der Darstellung des 'happy end' als etwas, das im wirklichen Leben oft nicht so glücklich ist, wie es im Film dargestellt wird.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen dem romantisierten 'happy end' im Film und der realistischen Darstellung des Ehelebens im Gedicht hebt die Diskrepanz zwischen Fiktion und Realität hervor.
- Metapher
- Die 'vabrühte Milch' steht metaphorisch für die alltäglichen und manchmal langweiligen Aspekte des Ehelebens.
- Personifikation
- Der Wind wird personifiziert, indem er 'säuselt', was ihm menschliche Eigenschaften verleiht.
- Reimschema
- Das Gedicht verwendet ein einfaches Reimschema, bei dem die Zeilen in unregelmäßigen Abständen reimen, was einen lockeren und gesprächigen Ton erzeugt.
- Rhetorische Frage
- Die wiederholte Frage 'Na, und denn -?' regt den Leser dazu an, über das Nachhinein des 'happy end' nachzudenken.
- Umgangssprache
- Die Verwendung von umgangssprachlichen Ausdrücken wie 'jehn', 'janz nett' und 'wat' verleiht dem Gedicht einen authentischen und bodenständigen Ton.
- Wiederholung
- Die Phrase 'Na, und denn -?' wird am Ende jedes Strophenabschnitts wiederholt, was die Neugier und das Unausweichliche des Lebens betont.