Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.
, , ,

Damon und Doris

Von

Doris.

Geh Damon, sahst du nicht, wie jener Schmetterling
Die junge Rose dort boshaftig hinterging?
Kaum küßt er sie, so fliegt der Schalk zu andern Rosen!
Sprich, wenn du von mir gehst, wen eilst du liebzukosen?

Damon.

Der Schalk! ich seh es, ja; doch wirst du auch gewahr?
Dem Schmeichler bot sie kaum den schönen Busen dar,
So läßt sie gleiches Glück der Biene hier genießen:
Wenn Damon dich verläßt, sprich, wer wird Doris küssen?

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Damon und Doris von Christian Felix Weiße

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Damon und Doris“ von Christian Felix Weiße präsentiert in einem kurzen Dialog die spielerische Eifersucht und die zarte Rivalität zwischen zwei Liebenden, die in der Form einer Schäferidylle zum Ausdruck kommt. Die beiden Protagonisten, Damon und Doris, vergleichen ihre Beziehung mit der Natur, insbesondere mit dem Verhalten von Schmetterlingen und Bienen, um ihre Sorge um Treue und Beständigkeit auszudrücken. Die Sprache ist einfach und direkt, wodurch die Gefühle der beiden Charaktere unmittelbar erfahrbar werden.

Doris beginnt den Dialog mit einem Hinweis auf das untreue Verhalten eines Schmetterlings, der die junge Rose nur kurzzeitig umgarnt, bevor er sich anderen Blüten zuwendet. Durch diesen Vergleich äußert sie ihre Angst, dass Damon sie ebenso verlassen könnte. Sie stellt eine rhetorische Frage, die ihre Unsicherheit und ihr Bedürfnis nach Gewissheit über Damons Zuneigung zum Ausdruck bringt. Die Metapher des Schmetterlings dient als Warnung vor Untreue und unterstreicht die Zerbrechlichkeit der Liebe.

Damon reagiert auf Doris‘ Sorge, indem er ihrerseits die Rose für ihr Verhalten kritisiert. Er lenkt den Fokus auf die Rose, die auch anderen Insekten, insbesondere der Biene, die Gunst gewährt. Er kehrt die Frage um und stellt Doris eine ähnliche Frage, was darauf hindeutet, dass auch sie nicht frei von dem Verdacht ist, ihre Zuneigung zu teilen. Dieser rhetorische Schachzug dient dazu, die Eifersucht zu mildern und die gegenseitige Abhängigkeit der Liebenden zu betonen.

Das Gedicht endet offen, ohne eine endgültige Antwort auf die gestellten Fragen. Stattdessen wird die Zartheit und Komplexität der Liebe durch den spielerischen Austausch von Vorwürfen und die Vergleiche mit der Natur dargestellt. Die Verwendung der klassischen Schäferidylle unterstreicht die Leichtigkeit und Unbeschwertheit des Themas, während die subtile Andeutung von Eifersucht und Unsicherheit die Tiefe der menschlichen Emotionen in den Vordergrund rückt. Das Gedicht spiegelt letztlich die allgemeine Erfahrung wider, dass Liebe von gegenseitiger Wertschätzung und der Fähigkeit zu Vertrauen geprägt sein sollte.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.