Damals

Ludwig Eichrodt

1856

Es war in schönen Tagen, Als ich so mit ihr ging, Mein Auge mit Behagen An ihren Zügen hing.

Dort unter Schattenbäumen War eine traute Bank, Dort faßt ich ohne Säumen Sie um die Hüfte schlank.

Ihr Köpfchen legt sie leise, Erröthend sanft an mich, Eine Thräne eine heiße, Aus ihrer Wimper schlich.

In Armen halt ich selig Das jugendreiche Kind, Die Athemzüge zähl ich Und schaue schier mich blind.

Ob sie mich liebt? Ich leide Den Tod, o daß ich wüßt! Da hatten wir uns Beide Zu gleicher Zeit geküßt.

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Illustration zu Damals

Interpretation

Das Gedicht "Damals" von Ludwig Eichrodt erzählt von einer vergangenen, romantischen Begegnung des lyrischen Ichs mit einer geliebten Frau. Die Stimmung ist von einer nostalgischen Sehnsucht nach dieser schönen Zeit geprägt. Das lyrische Ich erinnert sich an einen Spaziergang mit der Frau, bei dem es ihre Züge bewundert und sie schließlich leidenschaftlich umarmt. Die Szene spielt unter schattigen Bäumen auf einer gemütlichen Bank. Das lyrische Ich fasst die schlanke Hüfte der Frau ohne zu zögern und sie legt ihren Kopf sanft errötend an seine Schulter. Eine heiße Träne kriecht aus ihrem Wimpernkranz. Das lyrische Ich hält das junge Mädchen selig in seinen Armen, zählt ihre Atemzüge und schaut sie so intensiv an, dass es fast blind wird. Das lyrische Ich leidet unter der Ungewissheit, ob die Frau es ebenfalls liebt, und wünscht sich den Tod, wenn er es nur wüsste. Doch dann küssen sich die beiden zur gleichen Zeit, was die gegenseitige Liebe bestätigt. Das Gedicht endet mit dieser erlösenden Erkenntnis der erwiderten Liebe.

Schlüsselwörter

schönen tagen ging auge behagen zügen hing schattenbäumen

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Stilmittel

Alliteration
Als ich so mit ihr ging
Bildsprache
In Armen halt ich selig das jugendreiche Kind
Hyperbel
Ich leide den Tod, o daß ich wüßt!
Kontrast
Ob sie mich liebt? Ich leide den Tod, o daß ich wüßt!
Metapher
Mein Auge mit Behagen an ihren Zügen hing
Parallelismus
Dort unter Schattenbäumen war eine traute Bank
Personifikation
Eine Thräne eine heiße, aus ihrer Wimper schlich