Dahin!

Anastasius Grün

1907

Seit du dich von mir gewendet, Weiß ich erst, was du mir warst; All der holde Zauber endet, Und der Wunderring zerbarst.

Als des Hauses gute Stunde Kamst und gingst du ein und aus, Fröhlich Wort auf heitrem Munde Führtest du das Glück ins Haus.

Wie der Lichtstrahl kamst du, Holde, Der nur leuchten, wärmen mag, Daß von seinem klaren Golde Heller noch der hellste Tag;

Wie das Mondlicht kamst du, Süße, Das nur zu verklären strebt Und die lichten Silbergrüße Still in dunkle Stunden webt;

Wie ein Lenzhauch, mit Entzücken Füllend Fluren und Gemüth, Der nicht prahlt: ich will beglücken! Der nur kommt – und Alles blüht! – –

Was der Götter Gunst verschwendet, Kenn′ ich jetzt, des Glückes bar; Seit sie sich von mir gewendet, Weiß ich erst, was sie mir war!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Dahin!
↓ Bild in Originalgröße herunterladen

Interpretation

Das Gedicht "Dahin!" von Anastasius Grün handelt von der tiefen Trauer und dem Verlust, den der Sprecher erlebt, nachdem seine Geliebte ihn verlassen hat. Die erste Strophe verdeutlicht, dass der Sprecher erst durch den Verlust erkennt, welchen Wert die Frau für ihn hatte. Der "Zauber" und der "Wunderring" symbolisieren die magische Anziehungskraft und die unzerbrechliche Verbindung, die nun zerstört ist. In den folgenden Strophen wird die positive Auswirkung der Frau auf das Leben des Sprechers und sein Umfeld beschrieben. Sie wird mit einem Lichtstrahl verglichen, der nicht nur leuchtet, sondern auch wärmt und den Tag noch heller macht. Ähnlich wie das Mondlicht, das selbst in dunklen Stunden für Klarheit und Ruhe sorgt, bringt sie Licht und Hoffnung in das Leben des Sprechers. Der Vergleich mit einem Lenzhauch unterstreicht ihre sanfte und natürliche Art, die Freude und Blüte in die Welt bringt, ohne etwas dafür zu erwarten. Die letzte Strophe zieht ein Fazit aus dem Erlebten. Der Sprecher erkennt nun, was er durch den Verlust der Gunst der Götter (symbolisiert durch die Frau) alles eingebüßt hat. Er ist "des Glückes bar" und versteht erst jetzt, welchen unschätzbaren Wert die Frau für sein Leben hatte. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Sehnsucht und des Bedauerns über den unwiederbringlichen Verlust.

Schlüsselwörter

kamst seit gewendet weiß erst holde warst all

Wortwolke

Wortwolke zu Dahin!

Stilmittel

chiasmus
Seit du dich von mir gewendet, Weiß ich erst, was du mir warst
hyperbel
Der nur kommt – und Alles blüht! – –
kontrast
Seit sie sich von mir gewendet, Weiß ich erst, was sie mir war
personifikation
Die lichten Silbergrüße Still in dunkle Stunden webt
vergleich
Wie ein Lenzhauch, mit Entzücken Füllend Fluren und Gemüth