Dahin
1920Mit gesenkten Blicken durch die Menge hin, durch die fremde dunkle Menge, eine traumentstiegene Palme, kam die junge Priesterin.
Mit geschlossenen Wimpern an den Altar hin, ruhig an den flammenden Altar, eine nachtgewiegte Zypresse, trat die junge Priesterin.
Mit aufstrahlenden Augen in zwei andre Augen hin, Augen aus der Fremde, niegesehene Heimatsaugen, eine starre Mimose, stand die junge Priesterin.
Mit hochzuckenden Händen vor die Flamme hin, vor die heilige Opferflamme, eine blitzgetroffene Zeder, sank die junge Priesterin.
Mit weit offenen Armen in die Nacht dahin, wild hin in die fremde Nacht, eine sturmergriffne Liane, schwand die junge Priesterin.
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Interpretation
Das Gedicht "Dahin" von Richard Dehmel schildert den tragischen Weg einer jungen Priesterin durch vier Strophen, die jeweils eine Phase ihrer spirituellen und emotionalen Erfahrung symbolisieren. Die Priesterin wird mit Metaphern wie einer "traumentstiegene Palme" und einer "nachtgewiegte Zypresse" beschrieben, die ihre mystische und fremde Natur unterstreichen. In der ersten Strophe bewegt sie sich durch eine "dunkle Menge", was ihre Isolation und den Kontrast zwischen ihrer spirituellen Reinheit und der umgebenden Fremdheit betont. In der zweiten Strophe nähert sie sich dem Altar, symbolisiert durch die "ruhig" und "flammenden" Attribute, was ihre Hingabe und den Übergang zu einer tieferen spirituellen Ebene darstellt. Die dritte Strophe zeigt einen Wendepunkt, als sie in die Augen eines Fremden blickt, was ihre menschliche Verletzlichkeit und die Konfrontation mit der Außenwelt offenbart. Die Metapher der "starr Mimose" deutet auf eine plötzliche emotionale Reaktion hin, die ihre spirituelle Stabilität erschüttert. Die letzte Strophe endet tragisch, als die Priesterin vor der Flamme zusammenbricht und schließlich in die Nacht verschwindet. Die Bilder der "blitzgetroffene Zeder" und der "sturmergriffne Liane" symbolisieren ihre Zerstörung und den Verlust ihrer spirituellen Identität. Das Gedicht endet mit ihrem Verschwinden, was den endgültigen Verlust ihrer Rolle und ihres Selbst in der fremden, chaotischen Welt bedeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- [Mit gesenkten Blicken Mit geschlossenen Wimpern Mit aufstrahlenden Augen Mit hochzuckenden Händen Mit weit offenen Armen]
- Metapher
- [eine traumentstiegene Palme eine nachtgewiegte Zypresse eine starre Mimose eine blitzgetroffene Zeder eine sturmergriffne Liane]
- Personifikation
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- Synästhesie
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