Dämmergang

Conrad Ferdinand Meyer

1898

Du lebst meerüber In blauer Ferne Und du besuchst mich Beim ersten Sterne.

Ich mach im Felde Die Dämmerrunde, Umbellt, umsprungen Von meinem Hunde.

Es rauscht im Dickicht, Es webt im Düster, Auf meine Wange Haucht warm Geflüster.

Das Weggeleite Wird trauter, trauter, Du schmiegst dich näher, Du plauderst lauter.

Da gibt′s zu schelten, Da gibt′s zu fragen, Und hell zu lachen Und leis zu klagen.

Was wedelt Barry So glückverloren? Du kraust dem Liebling Die weichen Ohren…

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Illustration zu Dämmergang

Interpretation

Das Gedicht "Dämmergang" von Conrad Ferdinand Meyer beschreibt eine intime und sehnsuchtsvolle Begegnung in der Dämmerung zwischen dem lyrischen Ich und einer geliebten Person, die in der Ferne lebt. Die Stimmung ist von einer Mischung aus Einsamkeit und Sehnsucht geprägt, die sich in der ruhigen und zugleich lebendigen Natur widerspiegelt. Die Anwesenheit des Hundes unterstreicht die Geborgenheit und die Verbundenheit mit der Umgebung. Die Dämmerung dient als symbolischer Rahmen für die Begegnung, die sich im Laufe des Gedichts vertieft. Die Natur ist nicht nur Kulisse, sondern ein aktiver Teil der Szene, der durch Geräusche und Bewegungen eine mystische Atmosphäre schafft. Die "warme Geflüster" auf der Wange deutet auf eine fast körperliche Nähe der fernen Geliebten hin, die durch die Dämmerung ermöglicht wird. Die Begegnung wird durch ein intimes Gespräch und geteilte Emotionen intensiviert. Die Wechselwirkung zwischen Lachen und Klagen zeigt die Tiefe der Beziehung und die Vielfalt der geteilten Gefühle. Der Hund, der am Ende des Gedichts erwähnt wird, symbolisiert die Treue und das häusliche Glück, das durch die Anwesenheit der Geliebten noch verstärkt wird. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl von tiefer Verbundenheit und emotionaler Intimität, die durch die Dämmerung und die Natur ermöglicht wird. Die geliebte Person wird als tröstende und bereichernde Präsenz dargestellt, die das Leben des lyrischen Ichs auch über die Distanz hinweg erhellt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Dämmergang

Stilmittel

Alliteration
Umbellt, umsprungen Von meinem Hunde
Anapher
Da gibt's zu schelten, Da gibt's zu fragen
Bildsprache
Auf meine Wange Haucht warm Geflüster
Direkte Ansprache
Was wedelt Barry So glückverloren?
Enjambement
Du schmiegst dich näher, Du plauderst lauter
Kontrast
Und hell zu lachen Und leis zu klagen
Metapher
Du lebst meerüber In blauer Ferne
Personifikation
Es rauscht im Dickicht, Es webt im Düster
Symbolik
Beim ersten Sterne
Wiederholung
trauter, trauter