Dämmer-Empfindung
1813Was treibt mich hier von hinnen? Was lockt mich dort geheimnisvoll? Was ist′s, das ich gewinnen, Und was, womit ich′s kaufen soll?
Trat unsichtbar mein Erbe, Ein Geist, ein luft′ger, schon heran, Und drängt mich, daß ich sterbe, Weil er nicht eher leben kann?
Und winkt mir aus der Ferne Die Traube schon, die mir gereift Auf einem andern Sterne, Und will, daß meine Hand sie streift?
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Dämmer-Empfindung" von Friedrich Hebbel beschreibt einen inneren Konflikt und eine Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem. Der Sprecher fühlt sich von einem geheimnisvollen Ort angezogen, der ihn dazu drängt, seine derzeitige Situation zu verlassen. Diese Anziehungskraft wird als ein Erbe beschrieben, das ihm unsichtbar überbracht wurde, was auf eine spirituelle oder metaphysische Dimension hindeutet. Der Sprecher fragt sich, ob er sterben muss, um dieses Erbe zu erlangen, da der Geist, der es ihm überbringt, nicht leben kann, bevor der Sprecher stirbt. Die zweite Strophe vertieft das Thema der Sehnsucht und des Opfers. Der Sprecher sieht eine Traube, die auf einem anderen Stern gereift ist, was eine unerreichbare oder ferne Sehnsucht symbolisiert. Die Traube steht für etwas Verlockendes und Begehrenswertes, das jedoch außerhalb der Reichweite des Sprechers zu sein scheint. Die Frage, ob seine Hand die Traube streifen soll, deutet auf eine Unentschlossenheit oder Zögerlichkeit hin, ob er sich auf die Suche nach diesem unerreichbaren Ziel begeben soll. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe existenzielle Unruhe und die Suche nach einem höheren Sinn oder einer transzendenten Erfahrung. Der Sprecher ringt mit der Frage, ob er bereit ist, für das Erreichen dieses Ziels Opfer zu bringen, einschließlich des eigenen Lebens. Das Gedicht lässt den Leser mit einem Gefühl der Ambivalenz und der Ungewissheit zurück, ob der Sprecher den Mut finden wird, seine Sehnsucht zu erfüllen oder ob er in seiner derzeitigen Situation verharren wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Was treibt mich hier von hinnen? Was lockt mich dort geheimnisvoll? Was ist's, das ich gewinnen, Und was, womit ich's kaufen soll?
- Metapher
- Und winkt mir aus der Ferne Die Traube schon, die mir gereift Auf einem andern Sterne, Und will, daß meine Hand sie streift?
- Personifikation
- Tret unsichtbar mein Erbe, Ein Geist, ein luft'ger, schon heran, Und drängt mich, daß ich sterbe, Weil er nicht eher leben kann?
- Rhetorische Frage
- Was treibt mich hier von hinnen? Was lockt mich dort geheimnisvoll? Was ist's, das ich gewinnen, Und was, womit ich's kaufen soll?