Da ich ein Knabe war...
1800Da ich ein Knabe war, Rettet′ ein Gott mich oft Vom Geschrei und der Ruthe der Menschen, Da spielt′ ich sicher und gut Mit den Blumen des Hains, Und die Lüftchen des Himmels Spielten mit mir.
Und wie du das Herz Der Pflanzen erfreust, Wenn sie entgegen dir Die zarten Arme streken,
So hast du mein Herz erfreut Vater Helios! und, wie Endymion, War ich dein Liebling, Heilige Luna!
Oh all ihr treuen Freundlichen Götter! Daß ihr wüßtet, Wie euch meine Seele geliebt!
Zwar damals rieff ich noch nicht Euch mit Nahmen, auch ihr Nanntet mich nie, wie die Menschen sich nennen Als kennten sie sich.
Doch kannt′ ich euch besser, Als ich je die Menschen gekannt, Ich verstand die Stille des Aethers Der Menschen Worte verstand ich nie.
Mich erzog der Wohllaut Des säuselnden Hains Und lieben lernt′ ich Unter den Blumen.
Im Arme der Götter wuchs ich groß.
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Interpretation
Das Gedicht "Da ich ein Knabe war..." von Friedrich Hölderlin ist eine lyrische Erinnerung an die Kindheit des Sprechers, die geprägt war von einer engen Verbindung zur Natur und den Göttern. Der Sprecher erinnert sich daran, wie er als Junge von den Göttern vor den negativen Einflüssen der Menschen gerettet wurde. Er verbrachte seine Zeit sicher und glücklich im Hain, umgeben von Blumen und von den Lüften des Himmels umschmeichelt. In den folgenden Strophen richtet der Sprecher seinen Blick auf die Götter Helios und Luna, die seine Seele erfreuten. Er vergleicht sich mit Endymion, einem Geliebten der Mondgöttin, und betont die tiefe Verbindung zu diesen göttlichen Wesen. Der Sprecher drückt seine Liebe zu den Göttern aus und wünscht sich, dass sie wüssten, wie sehr seine Seele sie geliebt hat. Im letzten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über die Unterschiede zwischen seiner Beziehung zu den Göttern und den Menschen. Obwohl er die Götter nicht beim Namen nannte und sie ihn auch nicht benannten, kannte er sie besser als die Menschen. Er verstand die Stille des Aethers, während er die Worte der Menschen nie verstand. Der Sprecher wurde von den Klängen des Waldes erzogen und lernte die Liebe unter den Blumen kennen. Er wuchs im Arm der Götter auf und fand Trost und Verständnis in der Natur, fernab von der menschlichen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anrufung
- Oh all ihr treuen / Freundlichen Götter!
- Apostrophe
- Vater Helios! und, wie Endymion, / War ich dein Liebling, / Heilige Luna!
- Gegensatz
- Doch kannt′ ich euch besser, / Als ich je die Menschen gekannt
- Hyperbel
- Daß ihr wüßtet, / Wie euch meine Seele geliebt!
- Metapher
- Da spielt′ ich sicher und gut / Mit den Blumen des Hains
- Personifikation
- Und die Lüftchen des Himmels / Spielten mit mir
- Symbolik
- Im Arme der Götter wuchs ich groß
- Vergleich
- Und wie du das Herz / Der Pflanzen erfreust