Cunettone

Otto Erich Hartleben

1864

Vor dem Kamin, in dem die Flamme flackerte, verstummten sie und dachten ihres Lebens nach. Alsdann versank so Vieles, was sie sonst besass, und rein im reinen Augenblicke lebten sie.

Der dunkle Wein, der drunten in der Asche stand, erglühte da und gab ein heimlich tiefes Roth. Die Sonne sank – der Schnee der Berge leuchtete – der Winterhimmel draussen schien geformt aus Stahl.

Da sahen sie sich staunend an und doch vertraut – und fragten nichts – und griffen herrisch Hand in Hand.

Auf beider Stirnen lag ein seltner Widerschein von dem Kamin, in dem die Flamme flackerte.

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Interpretation

Das Gedicht "Cunettone" von Otto Erich Hartleben beschreibt eine intime und nachdenkliche Szene vor einem Kaminfeuer. Die Liebenden schweigen und reflektieren über ihr Leben, wobei sie sich von materiellen Dingen lösen und im gegenwärtigen Moment rein und unverfälscht leben. Die Atmosphäre ist geprägt von einem tiefen Rot des Weins, der in der Asche glüht, dem leuchtenden Schnee der Berge im untergehenden Sonnenlicht und dem stählernen Winterhimmel. Die Liebenden blicken sich staunend, aber vertraut an, ohne Fragen zu stellen, und ergreifen herrisch die Hände des anderen. Ein seltsamer Glanz liegt auf ihren Stirnen, reflektiert vom Kaminfeuer, das weiterhin flackert. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Intimität, des Innehaltens und der Verbindung zwischen den Liebenden in einem Moment der Stille und des Nachdenkens.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildlichkeit
Vor dem Kamin, in dem die Flamme flackerte, verstummten sie und dachten ihres Lebens nach.
Kontrast
Der Schnee der Berge leuchtete – der Winterhimmel draussen schien geformt aus Stahl.
Metapher
Der dunkle Wein, der drunten in der Asche stand, erglühte da und gab ein heimlich tiefes Roth.
Personifikation
Der Winterhimmel draussen schien geformt aus Stahl.
Wiederholung
Vor dem Kamin, in dem die Flamme flackerte.