Crucifixus
1843Am Kreuz hing sein gequält Gebeine, Mit Blut besudelt und geschmäht; Dann hat die stets jungfräulich reine Natur das Schreckensbild verweht.
Doch die sich seine Jünger nannten, Die formten es in Erz und Stein, Und stellten′s in des Tempels Düster Und in die lichte Flur hinein.
So, jedem reinen Aug ein Schauder, Ragt es herein in unsre Zeit; Verewigend den alten Frevel, Ein Bild der Unversöhnlichkeit.
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Interpretation
Das Gedicht "Crucifixus" von Theodor Storm handelt von der Darstellung des Kreuzes und seiner Bedeutung in der christlichen Tradition. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der Kreuzigung Jesu, bei der sein gequältes Gebein mit Blut besudelt und geschmäht am Kreuz hing. Die Natur, die als jungfräulich rein dargestellt wird, verweht dann das Schreckensbild. Die Jünger Jesu formten jedoch das Bild in Erz und Stein und stellten es in den Tempel und in die freie Natur. Dadurch wird das Bild des Kreuzes zu einem Symbol der Unversöhnlichkeit und des Frevels. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass das Bild des Kreuzes in die moderne Zeit hineinragt und jedem reinen Auge einen Schauder bereitet. Das Gedicht kann als Kritik an der christlichen Tradition und ihrer Darstellung des Kreuzes interpretiert werden. Storm scheint zu suggerieren, dass die Darstellung des Kreuzes als Symbol des Leidens und der Unversöhnlichkeit problematisch ist und dass die Natur das Schreckensbild am besten verweht hätte. Das Gedicht kann auch als Aufruf zur Überwindung von Hass und Unversöhnlichkeit interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- stets jungfräulich reine
- Bildlichkeit
- Jeder reinen Aug ein Schauder
- Hyperbel
- Verewigend den alten Frevel
- Kontrast
- des Tempels Düster / lichte Flur
- Metapher
- Am Kreuz hing sein gequält Gebeine
- Personifikation
- Natur das Schreckensbild verweht
- Symbolik
- Erz und Stein
- Wiederholung
- in des Tempels Düster / und in die lichte Flur hinein