Crispin von Paß

Friedrich von Hagedorn

1733

Ein kleiner Eigensinn sei Künstlern gern verziehen! Ich setze mit Bedacht: ein kleiner Eigensinn; Denn allen, die sich nicht um Kunst und Witz bemühen, Dem groben Theil der Welt, geh′ auch der größte hin! Ein Künstler, welcher sich des Griffels Ruhm erworben, Der einen Ridinger, und Schmidt, und Preißler ziert, Entwarf nicht leicht das Bild der Fürsten, die verstorben, Noch der Gelehrten Bild, eh′ sie der Tod entführt. Die meisten wußten nicht die Ursach′ anzugeben, Bis einst, ich weiß nicht wer, sie von ihm selbst erfuhr: Der Fürsten achtet man nicht länger, als sie leben, Und der Gelehrte gilt nach seinem Tode nur.

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Illustration zu Crispin von Paß

Interpretation

Das Gedicht "Crispin von Paß" von Friedrich von Hagedorn behandelt die Kunst des Porträtmalens und die Wertschätzung von lebenden und verstorbenen Persönlichkeiten. Der Dichter betont, dass Künstlern ein gewisser Eigensinn verziehen werden sollte, solange er nicht zu groß ist. Er weist darauf hin, dass ein talentierter Künstler, der Werke für berühmte Kupferstecher wie Ridinger, Schmidt und Preißler schafft, selten Porträts von verstorbenen Fürsten oder Gelehrten anfertigt. Dies liegt daran, dass lebende Fürsten mehr geschätzt werden und Gelehrte erst nach ihrem Tod an Bedeutung gewinnen. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass der Künstler Crispin von Paß sich bewusst dafür entscheidet, nur lebende Persönlichkeiten zu porträtieren. Dies könnte als eine Kritik an der Gesellschaft interpretiert werden, die lebende Persönlichkeiten mehr wertschätzt als verstorbene. Der Dichter deutet an, dass Crispin von Paß die Vergänglichkeit des Ruhms und der Anerkennung erkennt und sich daher auf die Gegenwart konzentriert. Die letzten Zeilen des Gedichts offenbaren die tiefe Einsicht des Künstlers in die menschliche Natur. Er versteht, dass die Wertschätzung von Fürsten und Gelehrten stark von ihrem Lebensstatus abhängt. Während Fürsten nur solange geachtet werden, wie sie leben, gewinnen Gelehrte erst nach ihrem Tod an Bedeutung. Diese Beobachtung spiegelt die Vergänglichkeit des Ruhms und die sich wandelnden Wertvorstellungen der Gesellschaft wider.

Schlüsselwörter

kleiner eigensinn bild fürsten künstlern gern verziehen setze

Wortwolke

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Stilmittel

Antithese
Der Fürsten achtet man nicht länger, als sie leben, / Und der Gelehrte gilt nach seinem Tode nur.
Hyperbel
Denn allen, die sich nicht um Kunst und Witz bemühen, / Dem groben Theil der Welt, geh′ auch der größte hin!
Kontrast
Ein Künstler, welcher sich des Griffels Ruhm erworben, / Der einen Ridinger, und Schmidt, und Preißler ziert, / Entwarf nicht leicht das Bild der Fürsten, die verstorben, / Noch der Gelehrten Bild, eh′ sie der Tod entführt.
Personifikation
Die meisten wußten nicht die Ursach′ anzugeben, / Bis einst, ich weiß nicht wer, sie von ihm selbst erfuhr