Clarisse

Heinrich Heine

1844

Meinen schönsten Liebesantrag suchst du ängstlich zu verneinen; frag ich dann: ob das ein Korb sei? fängst du plötzlich an zu weinen.

Selten bet ich, drum erhör mich, lieber Gott! Hilf dieser Dirne, trockne ihre süßen Tränen und erleuchte ihr Gehirne.

Überall wo du auch wandelst, schaust du mich zu allen Stunden, und je mehr du mich misshandelst, treuer bleib ich dir verbunden.

Denn mich fesselt holde Bosheit, wie mich Güte stets vertrieben, willst du sicher meiner los sein, mußt du dich in mich verlieben.

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Illustration zu Clarisse

Interpretation

Das Gedicht "Clarisse" von Heinrich Heine handelt von einem unerwiderten Liebesverhältnis und der paradoxen Anziehungskraft, die der Geliebten durch ihre Ablehnung und scheinbare Bosheit entgegengebracht wird. Der Sprecher beschreibt seine erfolglosen Versuche, Clarisse zu umwerben, und wie sie auf seine Annäherungen mit Ablehnung und Tränen reagiert. Trotz ihrer Ablehnung bleibt er ihr treu ergeben und findet ihre "holde Bosheit" faszinierender als Güte. Das Gedicht besteht aus vier Strophen mit je vier Versen und folgt einem regelmäßigen Reimschema (AABB). Die Sprache ist einfach und direkt, was die emotionale Intensität des Gedichts unterstreicht. Heine verwendet verschiedene rhetorische Mittel, wie Anaphern ("Meinen schönsten", "Selten bet", "Überall wo") und Metaphern ("trockne ihre süßen Tränen"), um die Gefühle des Sprechers auszudrücken. Die letzte Strophe enthüllt die Ironie der Situation: Der Sprecher fühlt sich nur durch die Ablehnung und "Bosheit" der Geliebten angezogen und behauptet, dass er nur dann wirklich von ihr loskommen könnte, wenn sie sich in ihn verlieben würde. Dies deutet auf eine masochistische Komponente in seiner Liebe hin und zeigt, dass er in der Rolle des unglücklichen Liebhabers gefangen ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Meinen schönsten Liebesantrag / suchst du ängstlich zu verneinen; / frag ich dann: ob das ein Korb sei? / fängst du plötzlich an zu weinen.
Apostrophe
lieber Gott! Hilf dieser Dirne, / trockne ihre süßen Tränen / und erleuchte ihr Gehirne.
Chiasmus
und je mehr du mich misshandelst, / treuer bleib ich dir verbunden.
Paradox
Denn mich fesselt holde Bosheit, / wie mich Güte stets vertrieben, / willst du sicher meiner los sein, / mußt du dich in mich verlieben.