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Civitella

Von

Felsen hast du genug, und umher gewaltig Gebirge,
Hernikern nicht, du gehörst fast nur den Lüften hier an.
Großes erblickst du, erhab′nes hier, und ist es dir möglich
Arm mit den Armen zu sein, bleibe getrost auf dem Berg.

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Gedicht: Civitella von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Civitella“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine kurze, prägnante Beschreibung eines Ortes, wahrscheinlich der namensgebenden Stadt Civitella, und enthält eine Lebensweisheit. Der Autor spricht in direkter Ansprache das „du“ an, welches sowohl die Stadt als auch den Betrachter oder Leser repräsentiert. Er beschreibt die geographische Beschaffenheit mit „Felsen hast du genug, und umher gewaltig Gebirge“, wodurch die Kargheit und die natürliche Schönheit des Ortes hervorgehoben werden. Die Betonung auf die schroffe Landschaft, die fast ausschließlich den Lüften gehört, vermittelt ein Gefühl von Erhabenheit und Abgeschiedenheit.

Die zweite Hälfte des Gedichts kippt von der Beschreibung in eine Ermahnung. Das „Großes erblickst du, erhab’nes hier“ verweist auf die Wertschätzung der Umgebung und die damit verbundene Erfahrung. Gleichzeitig wird eine ethische Komponente eingeführt: „und ist es dir möglich / Arm mit den Armen zu sein, bleibe getrost auf dem Berg.“ Hier liegt der Kern der Interpretation. Die scheinbar widersprüchliche Aufforderung, trotz der Erhabenheit und des „Großen“ auf dem Berg zu verweilen, bedeutet, die Einfachheit und Verbundenheit mit dem Leben in der Gemeinschaft zu bewahren.

Waiblinger nutzt die raue Natur als Metapher für das Leben und die menschliche Existenz. Das „Große“ und „Erhabene“ können als Versuchung gesehen werden, nach mehr zu streben, nach Macht oder Ruhm. Die eigentliche Weisheit liegt jedoch in der Bescheidenheit und der Verbundenheit mit den einfachen Dingen, repräsentiert durch das „Arm mit den Armen sein“. Der Berg, als Ort der Einsamkeit und des Rückzugs, wird gleichzeitig zum Ort der inneren Stärke und der Bewahrung menschlicher Werte.

Das Gedicht ist ein Aufruf zur Balance. Es preist die Schönheit der Natur und die Möglichkeit, Erhabenes zu erleben, verbindet dies aber mit der dringenden Notwendigkeit, seine Menschlichkeit zu bewahren. Die klare Sprache und der prägnante Stil Waiblingers verstärken die Aussage und machen das Gedicht zu einer zeitlosen Betrachtung über die Bedeutung von Gemeinschaft, Bescheidenheit und dem rechten Umgang mit der Schönheit und den Herausforderungen des Lebens.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.