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Cincinn

Von

Es lassen sich Cincinn und seines Lächelns Kunst,
In früher Gegenwart, bei Hofe täglich sehen,
Und hieraus schließest du, er müsse recht in Gunst
Bei herrschenden Ministern stehen;
Doch durch sein Dasein wird uns das nicht offenbart:
Erkennt man Christen bester Art
Allein an ihrem Kirchengehen?

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Gedicht: Cincinn von Friedrich von Hagedorn

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Cincinn“ von Friedrich von Hagedorn ist eine pointierte Gesellschaftskritik, die sich anhand der scheinbaren Präsenz eines Mannes namens Cincinn am Hofe und dessen vermeintlicher Gunst bei den Mächtigen entfaltet. Die ersten beiden Verse etablieren das Bild von Cincinn, der im höfischen Milieu präsent ist, wobei seine „Lächelns Kunst“ angedeutet wird, was auf seine Fähigkeit zur Anpassung und möglicherweise zur Schmeichelei hindeutet. Der Autor legt nahe, dass sein häufiges Erscheinen am Hofe den Schluss zulassen könnte, er stünde in hoher Gunst bei den Ministern.

Die anschließenden Verse stellen diese Schlussfolgerung jedoch in Frage und kehren sie in ihr Gegenteil. Die rhetorische Frage „Doch durch sein Dasein wird uns das nicht offenbart“ unterstreicht die Unsicherheit über Cincinn’s tatsächlichen Einfluss und Bedeutung. Hagedorn nutzt hier die Technik der Ironie, indem er die oberflächliche Beobachtung der Anwesenheit Cincinn’s in Frage stellt. Die eigentliche Aussage des Gedichts liegt in der Gegenüberstellung von Schein und Sein, von äußerlicher Präsenz und tatsächlichem Wert.

Die letzte Frage, „Erkennt man Christen bester Art / Allein an ihrem Kirchengehen?“, ist eine Analogie, die die eigentliche Botschaft des Gedichts verdeutlicht. So wie die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft nicht allein durch den Besuch von Gottesdiensten belegt wird, so lässt sich auch die tatsächliche Gunst und Bedeutung einer Person am Hofe nicht allein an ihrer Anwesenheit und ihrem Verhalten ablesen. Die wahre Qualität, der wahre Wert, bleibt im Verborgenen und lässt sich nicht durch oberflächliche Beobachtungen erschließen.

Das Gedicht ist kurz und prägnant, es nutzt eine einfache, klare Sprache und die rhetorische Form der Frage, um eine tiefere soziale Kritik zu äußern. Hagedorn hinterfragt die Werte der höfischen Gesellschaft und weist darauf hin, dass äußere Erscheinung und vermeintlicher Erfolg oft täuschen. Das Gedicht ist ein Appell an die kritische Betrachtung und die Hinterfragung scheinbarer Wahrheiten und zeugt von der Aufklärungsidee des mündigen Bürgers, der sich nicht von bloßen Äußerlichkeiten blenden lässt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.