Christoph, Ruprecht, Nikolaus

Otto Julius Bierbaum

1901

Ich kenn drei gute, deutsche Gesellen Mit großen Händen und Beinen schnellen; Mit dicken Säcken auf breiten Buckeln Stampfen sie eilig durchs Land mit Gehuckel; Haben Eis im Bart Und grimmige Art, Aber Augen gar milde; Führn Äpfel und Nüsse und Kuchen im Schilde Und schleppen und schleppen im Huckepack Himmeltausendschöne Sachen im Sack.

All drei sind früher Heiden gewesen. Der erste heißt Christoph: Auserlesen Hat er in einer eisgrimmigen Nacht Das Christkind über Wildwasser gebracht. Ruprecht der zweite ist genannt: Der fuhr voreinsten übers Land Tief nächten in Gespenstergraus Als Heidengott. den Nikolaus, Als wie der dritte ist geheißen, Tät man als einen Bischof preisen.

Das ist nun all Legend und Mär, Ich übernehme nicht Gewähr, Dass just genau es so gewesen. Habs nicht gesehn, habs nur gelesen. Auf Schildereien jedermann Die dreie freilich sehen kann. Da ist der Ruprecht dick beschneet Und derb gestiefelt fürder geht. Drei Äpfel trägt der Nikolaus, Sieht väterlich und ernsthaft aus. Und Christopher im langen Bart Ist heidenmäßig dick behaart, Hat einen roten Mantel an Und ist ansonst ein nackter Mann.

Die dreie nun, dass ihr es wisst, Verehre ich als Mensch und Christ. Sie sind so lieb und ungeschlacht Und ganz aus deutschem Mark gemacht. Mildherzig rau, kratzhaarig lind, Des deutschen Gottes Ingesind. Die guten Knechte, reichen Herrn! Sie dienen gern und schenken gern, Wolln keinen Dank, wolln keinen Lohn, Sind in sich selbst bedank lohnt schon.

Grüß Gott ihr dreie miteinand Im lieben weiten deutschen Land! Christoph, Ruprecht, Nikolaus! Schüttet eure Säcke aus, Schüttet sie mit Lachen, Blickt mit hellen Augen drein Und lasst wohl gesegnet sein Eure Siebensachen.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Christoph, Ruprecht, Nikolaus

Interpretation

Das Gedicht "Christoph, Ruprecht, Nikolaus" von Otto Julius Bierbaum ist eine Hommage an drei ikonische Figuren der deutschen Weihnachtstradition: den Heiligen Christophorus, den Heiligen Nikolaus und den Heiligen Ruprecht. Bierbaum zeichnet ein lebendiges Bild dieser drei Gesellen, die durch das Land ziehen und Geschenke verteilen. Sie werden als grob und mächtig beschrieben, aber auch als gutmütig und großzügig. Ihre ursprünglich heidnische Herkunft wird erwähnt, was auf die Vermischung von heidnischen und christlichen Traditionen in der Weihnachtszeit hinweist. Die drei Figuren werden als tief in der deutschen Kultur verwurzelt dargestellt, als "aus deutschem Mark gemacht". Sie sind rau, aber herzlich, und ihre Großzügigkeit ist selbstlos. Bierbaum betont ihre Rolle als Diener und Geber, die weder Dank noch Lohn erwarten. Dies unterstreicht die selbstlose Natur des Weihnachtsgeistes, der im Mittelpunkt des Gedichts steht. Im letzten Teil des Gedichts richtet sich Bierbaum direkt an die drei Figuren und bittet sie, ihre Säcke voller Geschenke auszuschütten. Er wünscht sich, dass ihre Gaben mit Lachen und hellen Augen überreicht werden und dass alles, was sie bringen, gesegnet sei. Dies ist ein Ausdruck des Wunsches nach Freude, Licht und Segen in der Weihnachtszeit, die von diesen drei Figuren verkörpert wird.

Schlüsselwörter

drei land ruprecht nikolaus dreie bart augen äpfel

Wortwolke

Wortwolke zu Christoph, Ruprecht, Nikolaus

Stilmittel

Alliteration
Eure Siebensachen
Hyperbel
Eure Siebensachen
Kontrast
Sind in sich selbst bedank lohnt schon
Metapher
Eure Siebensachen
Personifikation
Eure Siebensachen
Wiederholung
Eure Siebensachen