Christian Wagner

Hedwig Lachmann

1919

(Zum 75. Geburtstag des Dichters)

Die Erde gab ihm ihre reinen Früchte Aus freier Hand. Auf offner Flur Gedieh er wetterhart und bot die Stirne Den Stürmen und dem Frieden der Natur.

Bei Pflug und Sense blichen seine Haare, Und unter ein bescheidnes Hüttendach Trat er am Abend, Wo er das Brot auf blankem Tische brach.

Wie ein Ermit im Walde, seine Krumen Mit Tieren teilend, die ihn stets umgeben, Und mit Verstorbenen im Bunde, Verkündet er das seelenhafte Weben, Das lichtvoll, über einem dunklen Grunde, Verkettet Menschenlose, Tiere, Blumen.

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Illustration zu Christian Wagner

Interpretation

Das Gedicht "Christian Wagner" von Hedwig Lachmann ist eine Hommage an den gleichnamigen Dichter zu seinem 75. Geburtstag. Es beschreibt Wagner als einen Menschen, der eng mit der Natur verbunden ist und ein einfaches, bescheidenes Leben führt. Die Erde schenkt ihm ihre Früchte freiwillig, und er gedeiht auf offener Flur, wetterhart und den Naturgewalten ausgesetzt. Lachmann zeichnet das Bild eines arbeitenden Mannes, der bei Pflug und Sense seine Haare bleicht und am Abend in bescheidene Hütte zurückkehrt. Dort bricht er sein Brot auf einem blanken Tisch, umgeben von Tieren, die ihn stets umgeben. Diese Szene erinnert an den biblischen Propheten Elias, der im Wald lebte und sein Brot mit Tieren teilte. Im letzten Vers wird Wagner als eine Art Prophet dargestellt, der das seelenhafte Weben verkündet, das Menschen, Tiere und Blumen über einem dunklen Grunde verbindet. Dieses Weben wird als lichtvoll beschrieben und deutet auf eine tiefere, spirituelle Verbindung zwischen allen Lebewesen hin. Das Gedicht preist also Wagner als einen Menschen, der die Einheit und Verbundenheit aller Dinge erkennt und verkündet.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Verkettet Menschenlose, Tiere, Blumen
Personifikation
Verkündet er das seelenhafte Weben
Vergleich
Wie ein Ermit im Walde