Chorus der Lyriker
1863O Mainacht, Mond und Mandoline! wer schwärmte früher für Lassalle? Heut gellt der Pfiff der Dampfmaschine Ins Hohelied der Nachtigall!
Man schimpft uns “ewge Sekundaner” Doch falsch ist ihre Strategie: Wir sind die letzten Mohikaner Der deutschen Stimmungspoesie.
Wir klopfen an die leere Tonne Und rufen: Wein her, rothen Wein! Auch uns erfreut das Licht der Sonne, Nur darf es nicht elektrisch sein.
Lasst uns die Henkelkrüge schwingen: Ju Evoë, Anakreon! Was geht die Zeit uns an? Wir singen Von Mammuth und vom Mastodon!
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Interpretation
Das Gedicht "Chorus der Lyriker" von Arno Holz ist eine ironische und selbstironische Betrachtung der Rolle der Dichter in einer sich wandelnden Gesellschaft. Die Lyriker beschwören eine romantische Nacht mit Mond und Mandoline, die im Kontrast zur modernen Welt steht, symbolisiert durch den Pfiff der Dampfmaschine, der das "Hohelied der Nachtigall" übertönt. Sie beklagen, dass sie als "ewge Sekundaner" verschmäht werden, doch betonen gleichzeitig ihre Einzigartigkeit als "letzte Mohikaner der deutschen Stimmungspoesie", die sich gegen den Zeitgeist stemmen. Die Dichter fordern Wein und das natürliche Licht der Sonne, lehnen aber elektrisches Licht ab, was ihre Ablehnung der technischen Moderne unterstreicht. Sie schwingen Henkelkrüge und beschwören den antiken Dichter Anakreon, um ihre Verbundenheit mit einer vergangenen, unbeschwerten Zeit zu demonstrieren. Sie singen von Mammuts und Mastodons, ausgestorbenen Urzeitriesen, was ihre eigene Situation als aussterbende Spezies in der modernen Welt symbolisiert. Das Gedicht ist eine humorvolle und zugleich melancholische Reflexion über den Wandel der Zeit und die Stellung der Dichter darin. Es zeigt die Spannung zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen romantischer Poesie und technischer Rationalität. Die Lyriker behaupten ihre Existenzberechtigung und ihren Wert, auch wenn sie von der Gesellschaft nicht mehr verstanden oder geschätzt werden. Sie bleiben sich selbst treu und singen ihre Lieder, ungeachtet des Zeitgeistes.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- O Mainacht, Mond und Mandoline!
- Anapher
- Wir sind die letzten Mohikaner
- Anspielung
- Ju Evoë, Anakreon!
- Hyperbel
- Was geht die Zeit uns an?
- Metapher
- Wir klopfen an die leere Tonne
- Personifikation
- Ins Hohelied der Nachtigall!