Chloe im Bade
Ich habe Chloen im Bade gesehn,
Sie war – – wie sehr war sie nicht schön!
Sie stand wie eine der Göttinnen da,
Die Paris auf dem Ida sah.
Wie eine Lilje im reinen Crystall,
So glänzte Chloe überall.
Ich sah – – doch nein, geblendet zu sehr,
Sah ich ganz außer mir nicht mehr.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Chloe im Bade“ von Christian Felix Weiße ist eine kurze, jedoch intensive Liebeserklärung, die die Schönheit einer jungen Frau in den Mittelpunkt stellt. Es ist ein klassisches Beispiel für die Empfindsamkeit, die im 18. Jahrhundert in Mode war, und verwendet lebendige Bilder, um die überwältigende Wirkung der Schönheit auf den Betrachter zu vermitteln. Der Dichter konzentriert sich dabei auf eine einzige, eindringliche Szene: den Anblick von Chloe im Bade.
Die ersten beiden Zeilen etablieren sofort das Thema und die zentrale Figur. Die direkte Aussage „Ich habe Chloen im Bade gesehn“ setzt den Leser mitten ins Geschehen und bereitet uns auf die folgende Beschreibung vor. Die rhetorische Frage „Sie war – – wie sehr war sie nicht schön!“ deutet auf die sprachliche Überwältigung des lyrischen Ichs durch die Anmut Chloes hin. Es ist eine Bekundung der Bewunderung, die sich in der folgenden Bildsprache entfaltet. Der Vergleich mit einer Göttin, die Paris einst auf dem Ida-Berg erblickte, hebt die Schönheit Chloes auf eine mythologische Ebene.
In den folgenden Zeilen wird diese Schönheit durch eine Reihe von Vergleichen weiter hervorgehoben. „Wie eine Lilje im reinen Crystall“ wird Chloe dargestellt, wobei die Reinheit und Unberührtheit der Lilie mit der Klarheit des Kristalls kombiniert werden, um ihre reine Schönheit zu betonen. Diese Metapher verstärkt den Eindruck, dass die Betrachtung Chloes ein fast spirituelles Erlebnis ist. Das lyrische Ich scheint nicht nur Zeuge ihrer Schönheit zu sein, sondern wird förmlich von ihr erfasst und betäubt.
Die abschließenden Zeilen sind von einem Gefühl der Überwältigung geprägt. „Ich sah – – doch nein, geblendet zu sehr, / Sah ich ganz außer mir nicht mehr.“ zeigen, wie die Schönheit Chloes den Betrachter überwältigt und ihn die Kontrolle über seine Wahrnehmung verlieren lässt. Die Wiederholung und die elliptische Sprache spiegeln die emotionale Verfassung des Sprechers wider. Er ist so geblendet und betört, dass er in seiner eigenen Beobachtung eingeschränkt wird. Die Szene endet mit einem Zustand der Hingabe und der Ohnmacht angesichts der überwältigenden Schönheit.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.