China in Italien

Anastasius Grün

unknown

Hingekauert an der Straßen Eine Aloe sich dehnt, Wie ein Knäul von Gliedesmaßen, Breit, gemächlich hingelehnt.

So im fernen China sitzen Mag ein feister Mandarin, Streckend blanke Nägelspitzen Selbstbehaglich vor sich hin.

Eine Pinie sprießt daneben, Neigt auf sie ihr buschig Zelt, Wie sein Sklav’ ob Jenem eben Baldachin und Schirmdach hält.

Hundert Jahre ziehn die Straße! Und von Sonnenschein welch Meer! Lenzesblüthen, welche Masse! Staub und Wandrer, welch ein Heer!

Endlich spürt so seltsam mächtig Aloe ihr Herz bedrängt, Bis ein Schaft, gar schlank und prächtig, Blüthenvoll die Hülle sprengt.

Erste Blüthe, helle, blanke, Die den kahlen Schaft umlaubt! Erster blühender Gedanke Um des Mandarinen Haupt!

Weh, daß einmal nur in Tagen Des Jahrhunderts blüht dein Gruß! Wehe, daß, wer dich getragen, Auch an dir verscheiden muß!

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Illustration zu China in Italien

Interpretation

Das Gedicht "China in Italien" von Anastasius Grün beschreibt eine Aloe, die an einer Straße in Italien wächst und sich wie ein sitzender Mandarin in China dehnt. Die Pinie neben der Aloe wird mit einem Baldachin verglichen, der den Mandarin beschattet. Das Gedicht betont die lange Lebensdauer der Aloe, die hundert Jahre auf der Straße steht und zahlreiche Jahreszeiten und Wanderer erlebt. Schließlich spürt die Aloe ein seltsames Drängen in ihrem Herzen, bis ein schlanker, prächtiger Stängel voller Blüten ihre Hülle sprengt. Die erste helle, blanken Blüte, die den kahlen Stängel umlaubt, wird mit dem ersten blühenden Gedanken um den Kopf des Mandarins verglichen. Das Gedicht endet mit einem Wehklagen darüber, dass die Blüte nur einmal in hundert Jahren erscheint und dass auch derjenige, der sie getragen hat, an ihr sterben muss.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Weh, daß einmal nur in Tagen Des Jahrhunderts blüht dein Gruß!
Metapher
Erster blühender Gedanke Um des Mandarinen Haupt!
Personifikation
Aloe ihr Herz bedrängt
Vergleich
Eine Pinie sprießt daneben, Neigt auf sie ihr buschig Zelt, Wie sein Sklav’ ob Jenem eben Baldachin und Schirmdach hält.