Cherubinischer Wandersmann
1657Der Mensch ist Ewigkeit
Ich selbst bin Ewigkeit, wenn ich die Zeit verlasse Und mich in Gott und Gott in mich zusammenfasse.
Die Zeit ist Ewigkeit
Zeit ist wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit, So du nur selber nicht machst einen Unterscheid.
Der Himmel ist in dir
Halt an, wo laufst du hin, der Himmel ist in dir; Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.
Das Bildnis Gottes
Ich trage Gottes Bild: wenn er sich will besehn, So kann es nur in mir, und wer mir gleicht, geschehn.
Die hohe Würdigung
O hohe Würdigung! Gott springt von seinem Thron Und setzet mich darauf in seinem lieben Sohn.
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Interpretation
Das Gedicht "Cherubinischer Wandersmann" von Angelus Silesius beschreibt die tiefgreifende Einheit zwischen Mensch und Göttlichkeit. Der Mensch wird als Ewigkeit dargestellt, wenn er die zeitliche Begrenzung verlässt und sich in Gott sowie Gott in sich selbst zusammenfasst. Diese Verschmelzung von Zeit und Ewigkeit wird betont, indem Zeit als Ewigkeit und Ewigkeit als Zeit beschrieben wird, solange man keinen Unterschied macht. Der Himmel wird als in uns selbst verortet, was bedeutet, dass die Suche nach Gott außerhalb von uns vergeblich ist. Das Bildnis Gottes wird als in uns getragen beschrieben, was darauf hindeutet, dass Gott sich nur in uns und denen, die uns gleichen, sehen kann. Die hohe Würdigung liegt darin, dass Gott vom Thron springt und den Menschen in seinem Sohn einsetzt, was eine tiefe spirituelle Verbindung und Gleichwertigkeit zwischen Mensch und Göttlichkeit symbolisiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Halt an, wo laufst du hin, der Himmel ist in dir
- Gleichnis
- Zeit ist wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit
- Hyperbel
- O hohe Würdigung! Gott springt von seinem Thron
- Metapher
- Ich selbst bin Ewigkeit, wenn ich die Zeit verlasse
- Personifikation
- Gott springt von seinem Thron