Charfreitag
1801Charfreitag ist′s - da trauert Die ganze Christenheit, Ich traure mehr als die Andern, Mein Herz trägt doppelt Leid.
An diesem Tag der Schmerzen Ein theures Herz mir starb, Das beste und das treuste, Das ich im Leben erwarb.
O, Christenheit, du trauerst Nach heilig-frommem Brauch, Weil dich noch sanft umwehet Des Einz′gen Geisteshauch.
Wie aber muß ich klagen, Die ich den Stern geseh′n, Die Blumie, die so frühe Zur Ruhe mußte geh′n;
Die ich den Geist vernommen, Der von den Lippen quoll, Die ich dies Herz besessen Der reinsten Liebe voll.
Ein Stück von meiner Seele Mit ihr zu Grabe zog, Ein Stück von meinem Geiste Mit ihr von dannen flog,
Ein Stück von meinem Herzen Deckt wieder dunkles Land, Weil sie allein von Allen Es ganz und gar verstand.
Charfreitag - düstrer Freitag, Bei deinem Glockenklang Mag manches Herz erbeben Und schlagen schwer und bang,
Mag manche Thräne fließen, Und mancher Seufzer weh′n, Doch Niemand kann dir trüber Als ich in′s Antlitz seh′n!
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Interpretation
Das Gedicht "Charfreitag" von Luise Büchner ist ein tief empfundenes Trauerlied, das den Karfreitag als Anlass nimmt, um über den Verlust eines geliebten Menschen nachzudenken. Die Autorin verbindet die christliche Trauer um den Tod Jesu mit ihrer persönlichen Trauer um ein "theures Herz", das an diesem Tag gestorben ist. Das Gedicht zeichnet sich durch eine intensive emotionale Tiefe und eine klare, bildhafte Sprache aus. Im ersten Teil des Gedichts stellt die Autorin ihre Trauer der allgemeinen christlichen Trauer gegenüber. Sie betont, dass ihr Herz "doppelt Leid" trägt, da an diesem Tag der Schmerzen ein ihr besonders teures Herz gestorben ist. Dieses Herz wird als das "beste und treueste" beschrieben, das sie im Leben erworben hat. Die Autorin deutet an, dass es sich um eine Person handelt, die ihr sehr nahe stand, möglicherweise ein Kind oder ein geliebter Partner. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Intensität der Trauer noch deutlicher. Die Autorin spricht von einem Stück ihrer Seele, das mit dem Verstorbenen ins Grab gegangen ist, einem Stück ihres Geistes, das von dannen geflogen ist, und einem Stück ihres Herzens, das von dunklem Land bedeckt wird. Diese metaphorische Sprache verdeutlicht die tiefe Verbundenheit und den schmerzhaften Verlust, den die Autorin erlitten hat. Der letzte Vers des Gedichts betont die Einzigartigkeit dieser Trauer, indem er besagt, dass niemand trauriger als die Autorin an diesem Tag sein kann. Insgesamt ist "Charfreitag" ein bewegendes Gedicht, das die universelle Trauer um den Tod Jesu mit der sehr persönlichen Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen verbindet. Es zeigt die Fähigkeit der Autorin, tiefe Emotionen in poetische Bilder zu fassen und den Leser an ihrer Trauer teilhaben zu lassen.
Schlüsselwörter
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- Mein Herz trägt doppelt Leid
- Personifikation
- Die ganze Christenheit
- Symbolik
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