Cereus Flagelliformis
1899Die Züchtigung: dies aber bist Du auch, Du bist die harte, die umdornte Rute Aus einem bitteren verfluchten Strauch; Wo Du auch triffst, da triffst Du tief im Blute.
Du bist was schmerzt. Nichts auf der Welt schmerzt mehr, Kein Schmerzendes ist ohne Dich. Bewegst Du Deine Hand, schon überhäufst Du schwer Mit Schmerz der Leidenschaft. Du schlägst
Mit Widerhaken tausendfach verschlingend Ins Fleisch Dich ein, daß, ob Du dort ob hier Verweilst, es schmerzt. Und zogen einst sie singend
Zu ihrem Gott, die blutige Geißel schwingend, So treibst Du mich, Unruhe über mir, Nun aus mir fort: ins Unerreichte zwingend.
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Interpretation
Das Gedicht "Cereus Flagelliformis" von Maria Luise Weissmann thematisiert die unerbittliche und tiefe Natur von Schmerz und Züchtigung. Die Züchtigung wird als eine harte, dornige Rute dargestellt, die aus einem bitteren, verfluchten Strauch entspringt. Sie trifft tief ins Blut und verursacht unerträgliche Schmerzen. Der Schmerz wird als etwas dargestellt, das ohne die Anwesenheit der Züchtigung nicht existieren würde. Die Züchtigung wird als eine Kraft beschrieben, die mit Widerhaken tausendfach ins Fleisch eingreift und dort verweilt, um Schmerz zu verursachen. Sie wird mit der blutigen Geißel verglichen, die einst von Gläubigen zu ihrem Gott geschwungen wurde. Die Züchtigung treibt den Sprecher zur Unruhe und zwingt ihn, sich ins Unerreichte zu begeben. Es wird deutlich, dass die Züchtigung eine allgegenwärtige und unentrinnbare Kraft ist, die den Sprecher in seinem Leben begleitet und beeinflusst.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Zogen einst sie singend Zu ihrem Gott, die blutige Geißel schwingend
- Bildsprache
- Mit Widerhaken tausendfach verschlingend Ins Fleisch Dich ein
- Hyperbel
- Nichts auf der Welt schmerzt mehr, Kein Schmerzendes ist ohne Dich
- Metapher
- Du bist die harte, die umdornte Rute
- Personifikation
- Du bist was schmerzt