Carzoli
1804Deine cyclopischen Mauern, die Burg und die maurischen Häuschen, Längst vergaß ich sie schon, häßliches marsisches Nest! Aber noch schaudert mich vor dem Wein, vor Essig und Oele, Deinen Betten und all diesem entsetzlichen Wust.
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Interpretation
Das Gedicht "Carzoli" von Wilhelm Friedrich Waiblinger handelt von den widersprüchlichen Eindrücken, die der Ort Carzoli beim lyrischen Ich hinterlassen hat. Die anfängliche Beschreibung der "cyclopischen Mauern" und der "maurischen Häuschen" deutet auf eine beeindruckende, historisch gewachsene Architektur hin. Doch schon im zweiten Vers wendet sich die Stimmung ins Negative, als der Ort als "häßliches marsisches Nest" bezeichnet wird, was auf eine enttäuschte und verachtende Sichtweise hindeutet. Die zweite Strophe vertieft diesen negativen Eindruck, indem sie sich auf die unangenehmen Aspekte des Aufenthalts konzentriert. Der "Wein, vor Essig und Oele" sowie die "Betten" und der "entsetzliche Wust" lassen auf eine minderwertige und ungemütliche Unterkunft schließen. Die Verwendung des Wortes "schaudern" unterstreicht die Abneigung und das Unbehagen, das der Ort beim lyrischen Ich auslöst. Das Gedicht vermittelt somit ein ambivalentes Bild von Carzoli, das zwischen historischem Interesse und persönlicher Abneigung schwankt. Waiblingers Gedicht spiegelt die subjektive Erfahrung des Reisenden wider, der von der äußeren Erscheinung eines Ortes zunächst angezogen wird, aber durch die konkreten Lebensbedingungen schnell desillusioniert wird. Die knappen, prägnanten Verse verdeutlichen die Intensität dieser Empfindungen und lassen den Leser an der Enttäuschung des lyrischen Ichs teilhaben. Insgesamt entsteht ein Bild von Carzoli als einem Ort, der trotz seiner historischen Bedeutung durch seine gegenwärtige, unangenehme Realität in den Schatten gestellt wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- entsetzlichen Wust
- Metapher
- cyclopischen Mauern
- Personifikation
- häßliches marsisches Nest