Deine cyclopischen Mauern, die Burg und die maurischen Häuschen,
Längst vergaß ich sie schon, häßliches marsisches Nest!
Aber noch schaudert mich vor dem Wein, vor Essig und Oele,
Deinen Betten und all diesem entsetzlichen Wust.
Carzoli
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Carzoli“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine kurze, aber intensive Auseinandersetzung mit den negativen Erinnerungen an einen vergangenen Ort, möglicherweise eine Stadt oder ein Dorf namens Carzoli. Das Gedicht beginnt mit einer direkten Ansprache an Carzoli, wobei die ersten Zeilen von einer gewissen Verachtung geprägt sind. Der Autor erwähnt die „cyclopischen Mauern“, die Burg und die maurischen Häuschen, und bezeichnet den Ort als „häßliches marsisches Nest“. Dies deutet auf eine negative Erfahrung, die der Autor mit diesem Ort verbindet. Der Gebrauch von Adjektiven wie „cyclopisch“ und „häßlich“ verstärkt den Eindruck der Abneigung und des Unbehagens.
Die zweite Hälfte des Gedichts konzentriert sich auf spezifische Erinnerungen, die mit Carzoli verbunden sind. Der Autor gibt an, dass er die Mauern und Häuser zwar vergessen hat, aber dass ihn bestimmte Assoziationen wie Wein, Essig, Öl, Betten und „all diesem entsetzlichen Wust“ noch immer erschaudern lassen. Diese Aufzählung wirkt detailliert und persönlich, da sie auf scheinbar banale Gegenstände und Erfahrungen Bezug nimmt, die jedoch starke negative Emotionen auslösen. Das Wort „entsetzlich“ unterstreicht die Intensität des Unbehagens, das der Autor empfindet, und deutet auf eine tiefe, vielleicht traumatische Erfahrung.
Waiblingers Gedicht greift die literarische Tradition der persönlichen Reflexion und der Abneigung gegen bestimmte Orte und Erlebnisse auf. Es ist eine Miniatur, in der der Autor seine Gefühle und seine Ablehnung mit wenigen, aber wirkungsvollen Worten zum Ausdruck bringt. Durch die Kombination von konkreten Bildern und abstrakten Emotionen gelingt es dem Autor, eine lebendige und nachvollziehbare Szene zu schaffen, die über die individuelle Erfahrung hinaus allgemeingültig ist.
Die Verwendung von einfachen, direkten Worten und kurzen Sätzen verstärkt die emotionale Wirkung des Gedichts. Es gibt keine ausschmückenden Beschreibungen oder komplizierte Metaphern. Stattdessen konzentriert sich der Autor auf die präzise Benennung der Dinge, die ihm Unbehagen bereiten. Dies erzeugt eine Atmosphäre der Ehrlichkeit und Direktheit, die den Leser unmittelbar anspricht und ihn in die Gefühlswelt des Autors eintauchen lässt. Waiblinger schafft es, mit wenigen Worten eine Geschichte von Abneigung, Erinnerung und persönlicher Erfahrung zu erzählen.
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Lizenz und Verwendung
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